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„Eine Insel names Udo“ im Kino

Eine Insel namens Udo

Bei Kurt Krömer weiß man nie, was er so raushaut oder wem er eine reinsemmelt. Seine „Internationale Show“, die jetzt nach fünf Staffeln beendet ist, war immer ein Trip ins Ungewisse – für die Gäste, die Zuschauer und für Krömer selbst. In jeder Sekunde konnte die Sendung eine bis dahin unvorstellbare Richtung einschlagen, explodieren, implodieren, durch die Decke gehen, ins Bodenlose rasen. Es war eine Show außer Kontrolle, die nicht den üblichen Gesetze des Fernsehens gehorchte. Denn Krömer ist unberechenbar, wahrscheinlich sogar für Krömer selbst. Darum ist Krömer-Fernsehen auch das einzig wahre Live-Fernsehen in Deutschland.
Für die Liebeskomödie „Eine Insel namens Udo“ von Markus Sehr wechselte Kurt Krömer nun das Medium. Nach einigen Gastauftritten im Kino übernahm er erstmals eine Hauptrolle. Seine Figur Udo ist für seine Mitmenschen meistens unsichtbar. Das ist gut für Udos Job (Kaufhausdetektiv), aber schlecht für das soziale Leben (Einsamkeit). „Schwerstsichtbarkeit“ lautet die Diagnose, die sich die Drehbuchautoren Markus Sehr und Clemente Fernandez-Gil für diesen Zustand einfallen ließen. Doch es gibt ein Heilmittel: Die Liebe zur leicht schrulligen Hotelmanagerin Jasmin (Fritzi Haberlandt).
Krömer muss sich sogar doppelt unsichtbar machen und lässt neben Udo noch jemand anderen verschwinden: den Komiker Kurt Krömer. Der Film wirbt zwar mit Krömer als Star und Hauptdarsteller, aber der Krömer, wie ihn alle kennen, spielt nicht mit. Denn die Titelfigur heißt ja Udo und nicht Kurt, und die Geschichte spielt in Köln und nicht in Berlin. In einigen Szenen übernimmt Berlin-Kurt, und es wird komisch. Meistens ist aber Köln-Udo auf der Leinwand zu sehen, was nicht besonders lustig ist. Das wiederum liegt nicht an Krömer, sondern an dem braven und sehr mittelmäßigen Drehbuch, das nicht mehr zu bieten hat als die charmante Ausgangssituation. Einzig die fantastische Fritzi Haberlandt kann gegen diese Mittelmäßigkeit bestehen. Das Genie von Kurt Krömer aber braucht die Unberechenbarkeit der Bühne und des Live-Fernsehens. Der richtige Krömer-Film muss noch gedreht werden.

Text: Volker Gunske

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Eine Insel namens Udo“ im Kino in Berlin

Eine Insel namens Udo, Deutschland 2011; Regie: Markus Sehr; Darsteller: Kurt Krömer (Udo), Fritzi Haberlandt (Jasmin), Bernd Moss (Amanda); 80 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 16. Juni

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