Kommentar

„Eine Sache der Männer“ von Bert Rebhandl

Bis vor ein paar Jahren wurde ein berühmter Satz von François Truffaut, dem französischen ­Starregisseur aus den 60er-­Jahren, immer noch gern zitiert: „Kino ist, mit schönen Frauen schöne ­Dinge zu tun.“

Bert Rebhandl

So richtig hat dieses Diktum mit dem Fortschritt nicht Schritt gehalten. Endgültig in Verruf wird es nun aber mit den Enthüllungen um Harvey Weinstein kommen. Denn der US-Produzent („Pulp Fiction“, „Shake­speare in Love“) hat offensichtlich nach dem Motto gelebt, dass Kino für ihn bedeutete, mit ­schönen ­Frauen hässliche Dinge zu tun.
Seitdem die „New York Times“ mit einem Artikel eine wahre Flut von weiteren Klagen anderer Frauen ausgelöst hat, wird mit jedem Tag deutlicher, dass Weinstein geradezu eine Kultur des sexuellen und sexualisierten Machtgenusses verkörpert. Er selbst hat diese Kultur in einer ersten Stellungnahme aus den 60ern hergeleitet, also aus der Zeit der sexuellen Revolution – von der längst bekannt ist, dass sie schon damals häufig vor ­allem eine Sache der Männer war. Die Affäre wird nicht nur ­Harvey Weinstein und seine ­Opfer lange beschäftigen, sondern alle, die mit dem Kino und den Medien zu tun haben – ein ganzes Metier ist nun „in treatment“, und merkwürdige Blüten treibt die Sache auch: Quentin Tarantino ist „bestürzt“, muss es aber noch sacken lassen. Das meldete er – auf dem Twitter­account einer Freundin.

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