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„Einer nach dem anderen“ im Kino

Einer nach dem anderen

Der Filmtitel deutet den absonderlichen Handlungsablauf in diesem norwegischen Tiefschneekrimi schon an. Nachdem sein Sohn von Rauschgiftdealern umgebracht wurde, greift ein unbescholtener Schneepflugfahrer zur Flinte und tötet mit stoischer Entschlossenheit und bemerkenswerter Beharrlichkeit der Reihe nach erst die Täter, dann die Auftraggeber – und entsorgt die sorgfältig in Maschendraht eingewickelten Leichen in einem Wasserfall. Der private Rachefeldzug löst einen Bandenkrieg zwischen norwegischen und serbischen Drogengangstern aus, die sich nach und nach gegenseitig dezimieren.
Es herrscht eisige Kälte, immer wieder sind verschneite Landschaftstotalen zu sehen, auch die Grundstimmung des mit viel Sinn für das Absurde inszenierten Films ist frostig, der Humor unterkühlt. Das Rachemotiv wird gleich dreifach durchgespielt, auch die Söhne des schnöseligen norwegischen Gangsterbosses, genannt „der Graf“, und des von Bruno Ganz mit Buster-Keaton-Miene verkörperten serbischen Klanchefs, genannt „Papa“, werden ermordet bzw. entführt, was natürlich nach Vergeltung schreit.
Der Graf ist die schrägste Filmfigur, ein von sich selbst eingenommener eitler Geck, ein Veganer, der seine Söldner mit Gemüsesäften und Healthfood verköstigt, was offensichtlich nicht ihrem Geschmack entspricht, aber widerspruchslos geschluckt wird.
Für Komik sorgen auch soziokulturelle Konflikte mit Ausländern. Da gibt es einen japanischen Killer, genannt „der Chinese“, eine vermutlich gekaufte Braut aus Ostasien, die Serben schwärmen vom Komfort in norwegischen Haftanstalten und wundern sich, dass Norweger Hundescheiße aufsammeln. Die Gewaltdarstellungen sind teilweise drastisch, und besonders makaber wird es, wenn ein Drachenflieger in die Schneefräse gerät und geraspelt wird. Wie das eben so ist, wenn zu viele „Kraftidioten“ (so der Originaltitel des Films) aufeinandertreffen.

Text: Ralph Umard

Foto: Neue Visionen

Orte und Zeiten: „Einer nach dem anderen“ im Kino in Berlin

Einer nach dem anderen (Kraftidioten), Norwegen/Schweden/Dänemark 2014; R: Hans Petter Moland; D: Stellan Skarsgеrd (Nils), Bruno Ganz (Papa), Pеl Sverre Valheim Hagen (Graf); 117 Min.

Kinostart: Do, 20. November 2014

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