Frauenporträt

„Einmal bitte alles“ im Kino

Eine Endzwanzigerin in der Krise

Es läuft nicht gut für Isi, die davon träumt, Comic­zeichnerin zu werden. Eben hat sie ihren Praktikumsplatz verloren, nun ist auch noch die Wohnung weg. Dabei ist Isi schon 27 und München kein Pflaster, das mittellosen Zuspätkommern leicht vergibt. Von Ferne erinnert die Geschichte, die Helena Hufnagel in ihrem Kino­debüt inszeniert, an Jan Ole Gersters „Oh Boy“ von 2012. Im Gegensatz zu Gersters Ode an den Berliner Hänger aber fehlt es Hufnagels Münchner Loserin-Porträt an Dringlichkeit und innerer Wahrheit. Was nicht heißt, dass man in der reichen Isar­metropole nicht verloren gehen ­könnte.

Was aber im Berliner Kontext wie ­authentisches Existenzversagen wirkte, sieht in München nach leicht angeödeter Wohlstandsverwahr­losung aus. Das wiederum hängt ­damit zusammen, dass Hufnagel ­ihren im Grunde doch ernstzunehmenden Gegenstand auflöst in oberflächliche Figurengestaltung, zwangsorginelle Dialoge und szenische Klischees. Zwar gibt sich Luise Heyer als Isi alle Mühe, das Uncool-Unglamouröse herauszuarbeiten, das dem Herumeiern einer unerwachsenen Endzwanzigerin anhaftet. Am Ende aber bleibt ihre auf Komplexität zielende Darstellung machtlos gegen einen komödiantisch anbiedernden Regiegestus, der seichtes Plätschern einem ­beunruhigenden Tiefgang vorzieht.

Einmal Bitte Alles D 2017, R: Helena Hufnagel, D: Luise Heyer, Maxi Schaffroth, Patrick Güldenberg,
Start: 20.7.

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