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„El Club“ von Pablo Larrain im Wettbewerb

El Club

„Gott sah, dass das Licht gut war. Gott schied das Licht von der Finsternis.“ Pablo Larraнns „El Club“ öffnet mit Genesis 1,4 und lässt sogleich die Sonne aufgehen. Aber noch ist sie nicht ganz da, das gelbe Haus am Strand, etwas abseits eines heruntergekommenen Dorfes an der chilenischen Küste, scheint bläulich. Ein Mann lässt seinen Windhund über den feuchten Sand am Meer rennen, das Szenario wirkt beschwerlich, obwohl die Anordnung eigentlich Milde verspräche. Larraнns gelingt das Transportieren derlei Stimmungen meisterhaft, sie übertragen sich sehr genau, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht abzusehen ist, wie schwer, wie düster, wie verdorben das Leben um und innerhalb des gelben Hauses in Wirklichkeit ist.
Es wird von einer Gruppe Männern unterschiedlichen Alters bewohnt, allesamt Priester, die ihres Amtes enthoben wurden. Die Gründe: homosexuelle und pädophile Handlungen, einer hat Kinder aus armen Familien in reiche geschmuggelt und umgekehrt (das erfährt man allerdings erst später, wenn ein Ermittler, ein „Vatikan-Funktionär“ in das Haus geschickt wird, nachdem ein Neuankömmling Selbstmord begangen hat). Und dann ist da noch Ordensschwester Mуnica. Eine Wohngemeinschaft, die zunächst betulich wirkt, doch Larraнns klaustrophobische Gruppenaufnahmen verraten mehr. „El Club“ ist ein höhnischer Kommentar auf die Kirche, deren Vertreter eine finstere Hetzjagd auf einen veranstalten, der die Ordnung bedroht. Den gesamten Film über zu hören: Getragenes von Arvo Pärt.

Text: Carolin Weidner

Foto: Fabula

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Termine: El Club

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