Ökomärchen

„El Olivo“ im Kino

Auf der Suche nach einem prächtigen Baum: „El Olivo“ von Icíar Bollaín

Foto: Jose Haro/ Piffl Medien

Er war gigantisch, mit knorrigem Stamm und um die 2.000 Jahre alt: ein Prachtexemplar von einem Olivenbaum. Heute markiert ein ­trauriger Steinhaufen die Stelle seines einstigen Standortes – Almas Vater hat den Riesen vor ­Jahren für 30.000 Euro verkauft. Längst ist das Geld verpulvert, die Familie verschuldet – und Opa spricht nicht mehr. Alma ist inzwischen eine eigensinnige 20-Jährige und macht sich mit ihrem ­Onkel und ihrem Lover auf die Suche, um Opa den Baum zurückzubringen.
Der Ausverkauf des Originären als Metapher für die ökonomische Krise Spaniens? Die Filme von Regisseurin Icíar Bollaín fokussieren ­soziale Missstände. Ihr beeindruckendes Drama „Und dann der Regen“ (2010) machte die Spanierin auch bei uns bekannt. David gegen Goliath – auch „El Olivo“ führt diesen Kampf mit einem Schuss Donquichotterie. Denn der gesuchte Baum steht in Düsseldorf – als Wahrzeichen eines deutschen Energiekonzerns mit dubiosen ökologischen Versprechen.
Erneut hat Bollaíns Lebensgefährte Paul ­Laverty das Drehbuch geschrieben – er tut dies seit 20 Jahren auch für Ken Loach. Doch bei aller Sympathie für linke Kämpferseelen: „El Olivo“ kann nicht recht überzeugen. Auf die stimmige Skizzierung der Lebensumstände von Almas Familie folgt die idealisierte Verbrüderung der Alten mit den Jungen. Auf in eine intakte Zukunft! Auf zur Baumbefreiung ins graue Düsseldorf! „El Olivo“ gerät zum Feelgood-Roadmovie, zum leider recht naiven Märchen.

El olivo E/D 2016, 100 Min., R: Icíar Bollaín, D: Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs, María Romero, Start: 25.8.

Bewertungspunkte4

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