Drama

„Elle“ im Kino

Die Stellvertreterin: Isabelle Huppert brilliert in Paul Verhoevens „Elle“

MFA 2016 SBS Productions, Twenty Twenty Vision Filmproduktion, France 2 Cinéma & Entre Chien et Loup

In ihrem eigenen Haus wird Michèle Leblanc, Besitzerin einer erfolgreichen Computerspielfirma, von einem maskierten Mann überfallen und vergewaltigt. Und das ist nur der Auftakt zu einer Reihe von Katastrophen, mit denen Michèle sich herumzuschlagen hat. Sie ist eine Frau der gehobenen ­Pariser Gesellschaft. Man lebt in feinen Eigenheimen, isst in tollen Restaurants und genießt das Leben. Doch irgendwie ist auch alles schal.
Was in dem Roman „Oh …“ von Philippe Djian eher in Richtung leicht surreale Zivilisations­kritik geht, wird in der Verfilmung durch Paul Verhoeven zu einer virtuosen Reflexion auf die Freiheitsräume moderner Menschen: Michèle Leblanc ist Elle, also Sie, eine Frau, die für das ganze Geschlecht steht, wie eine Stellvertreterin, die einmal so richtig alles durchmacht, was das Leben so bereithalten kann – hier zum Beispiel einen Vater, der wegen eines lange zurückliegenden, schockierenden Verbrechens im Gefängnis sitzt, einen lahmarschigen Sohn und einen oberflächlichen Liebhaber.
So, wie Isabelle Huppert sie spielt, macht ­diese Michèle aber nicht einfach eine Menge durch, sie versucht, jederzeit obenauf zu bleiben, auch dann noch, als sie damit in wilde Virtual-Reality-Szenarien gezogen wird. Verhoeven findet in „Elle“ punktgenau den Grat zwischen Gesellschaftssatire und echtem Drama, er erzählt schwungvoll und mit Sinn für Details, und er verhilft Isabelle Huppert damit zu einem echten Karrierehöhepunkt. Und das will etwas heißen bei dieser Top­schauspielerin.

Elle F/D/B 2016, 130 Min., R: Paul Verhoeven, D: Isabelle Huppert, Laurent Lafitte, Anne Consigny, Christian Berkel, Start: 16.2.

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