Komödie

„Elvis und Nixon“ im Kino

Memphis, Tennessee, Winter 1970. Elvis Presley hängt im ­Keller von Graceland in einem Ledersessel und starrt auf drei gewaltige Fernseher, King-Size-mäßig, wie es sich gebührt

Foto: Universum Filmverleih

Was er sieht, scheint ihm nicht zu gefallen, „Kommis“ und Drogen allerorten, freie Liebe und Black Panther – das ­Amerika, das ihn zum König kürte, gibt es nicht mehr. Elvis weiß natürlich, dass die Landgewinne der Gegenkultur auch seinen eigenen Niedergang vollenden werden. Also begibt er sich nach Washington, um mit einem anderen Dinosaurier die Zukunft zu verhindern.
Es gibt ein einziges Foto, das Elvis Presley und Richard Nixon händeschüttelnd im Oval Office zeigt. Das Treffen ist historisch verbürgt, allein was der King und der Präsident sich zu sagen hatten, muss im Verborgenen bleiben. Regisseurin Liza ­Johnson improvisiert über diese Fußnote der Geschichte und inszeniert das Sauriertreffen als skurriles Kammerspiel.
Man fragt sich zu Beginn, ob der schmale Plot dieses vollkommen folgenlosen Treffens auf Spielfilmlänge trägt oder nicht eher für einen kurzen Bilderwitz geeignet wäre. Tatsächlich ist gerade das Leichtgewichtige dieser klugen Komödie ihre ­eigentliche Stärke. Michael Shannon spielt  den späten King überzeugend als entrücktes Kind im Manne zwischen Narrentum und Melancholie. Und Kevin Spacey hat ja seit der ­gefeierten TV-Serie „House of Cards“ mit Präsidentenrollen seine ­Erfahrung.
Die intertextuelle Referenz bewirkt, dass man nicht ­umhinkommt, zwischen der Serienfigur Frank Underwood und Richard Nixon Bezüge herzustellen. Wie Shannon und Spacey die Schrullen ihrer Charaktere kollidieren lassen, ist äußerst amüsant. Am Ende ist man beinahe sicher: Exakt so wird die Begegnung sich ereignet haben.

Elvis & Nixon USA 2016, 86 Min., R: Liza Johnson, D: Michael Shannon, Kevin Spacey, Alex Pettyfer, Start: 8.12.

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