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Emilia Schüle im Interview

Emilia Schüle

Darin spielt Schüle Sanja, eine an der Nadel hängende Amerikanerin, schwer verliebt in Robert (Tom Schilling). Ganz Profi absolviert die 22-Jährige den Interviewtermin nach einem Fotoshooting in der Mittagspause. Heute gibt’s Pesto-Penne.

tip Emilia Schüle, wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Emilia Schüle?Zufällig. Als Kind habe ich getanzt in einer Tanzgruppe. Wir hatten Auftritte auf Berliner Weihnachtsmärkten oder in Einkaufszentren. Irgendwann ist jemand von einer Agentur auf mich zugekommen. Da war ich 13. Ich habe dann ein paar Werbespots gedreht, bald darauf kam der erste Fernsehfilm, und dann „Freche Mädchen“ fürs Kino. Das ist acht Jahre her, und die sind eigentlich ziemlich schnell vergangen.

tip In was für Spots haben Sie da mitgespielt?
Emilia Schüle Arcor, Clearasil, Telekom. Das habe ich ungefähr ein halbes Jahr gemacht, dann bin ich sofort beim Film gelandet und dort auch hängen geblieben.

tip Wie sind Ihre Eltern damit umgegangen? Sie waren ja noch sehr jung.
Emilia Schüle Gut, die haben sich mitgefreut, fanden das auch spannend. Und natürlich waren sie auch stolz, wenn dann ein schöner Film dabei herausgekommen ist wie „Freche Mädchen“.

Emilia Schületip Und mit der Schule? Wie hat das funktioniert?
Emilia Schüle Ich war eigentlich immer sehr gut in der Schule. Etwas schwieriger wurde es dann in der Abizeit, da musste ich wahnsinnig viel lernen. Aber das Leben am Filmset bereitet einen auch auf so etwas vor. Ich habe dort gelernt, mich zu fokussieren. Und das hat mir natürlich auch für die Schule genutzt.

tip Das klingt aber schon ein bisschen nach Doppelleben, oder?
Emilia Schüle Voll. Es war schön, von zu Hause wegzukommen, wie eine große Klassenfahrt.

tip War das nicht auch beängstigend?
Emilia Schüle Ich war manchmal schon richtig aufgeregt. Beim „Tatort“ zum Beispiel.

tip Warum?
Emilia Schüle Ich musste mit Akzent sprechen, und meine Figur hatte einfach etwas Krasses erlebt. Diese Geschichte hatte weniger mit mir zu tun, war ziemlich weit weg. Jetzt bei „Punk“ war ich aber auch sehr aufgeregt und habe wie blöde recherchiert. Das Mädchen, das ich spiele, ist Amerikanerin, es sind die 80er-Jahre, und sie hat eine völlige Scheiß-egal-Haltung.

tip Als Sie zum Casting zu „Tod den Hippies!! Es lebe der Punk“ gegangen sind, stand die Besetzung da schon fest?
Emilia Schüle Dass Tom Schilling mitspielen würde. Das fand ich super.

tip Sie verkörpern ein Liebespaar.
Emilia Schüle Ja, das hat Spaß gemacht. Er hat eine tolle Präsenz, ist vor der Kamera ganz anders als privat, und das war sehr interessant. Er ist ein ganz spezieller Typ, wie auch Oskar Roehler. Für mich war das auch ungewohnt, mit zwei so sehr besonderen Menschen zu drehen.

tip Haben Sie den Film schon komplett gesehen?
Emilia Schüle Ja, aber es fehlten noch ein paar Kleinigkeiten, beim Ton zum Beispiel. Da freue ich mich jetzt auf die Premiere. Ich bin aber ein bisschen entspannter. Ich habe mich vorher gefragt, ob die Liebesgeschichte funktioniert, man mir die Amerikanerin abnimmt, den Akzent, ihre Art. Ob der Drive rüberkommt und der Zeitgeist.

Emilia Schületip War der Dreh schwierig?
Emilia Schüle Oskar steht während des Drehs manchmal neben der Kamera und guckt dir zu. Und auf der anderen Seite steht Tom, den du anguckst, aber du merkst, da ist noch jemand. Das fand ich manchmal schwierig auszublenden. Normalerweise schaut der Regisseur auf einen Monitor, und der Monitor ist im Raum nebenan. Aber da stand wirklich jemand, der guckt dir zu, einen halben Meter vor dir.

tip Wie gehen Sie mit eigenen Grenzen um?
Emilia Schüle Ich denke, dass ich schon weiß, wo meine Grenzen sind. Und das wusste ich auch bei diesem Film. Obwohl es für mich schon ungewohnt war, in Puschel-Unterwäsche rumzurennen. Aber ich würde definitiv nicht alles für einen Regisseur machen.

tip An der Schauspielerei interessiert Sie am meisten der Rollenwechsel?
Emilia Schüle Bei diesem Film waren es die Geschichte, der historische Hintergrund, der Regisseur und natürlich auch meine Rolle, die mich interessiert haben. Da war alles geil! Manchmal interessiert mich aber auch nur die Rolle oder nur der Regisseur. Oder das Land, in dem man dreht. Aber natürlich möchte ich nicht gelangweilt sein von der Rolle. Bei „Boy7“ von Özgür Yildirim, der in diesem Jahr noch in die Kinos kommt, spiele ich auch eine ziemlich besondere Figur. Ein Mädchen, das aus einer schwierigen Familie kommt und dann in eine Anstalt für schwer erziehbare Jugendliche gesteckt wird. Zusammen mit David Kross.

tip Wie war das?
Emilia Schüle Das war nicht einfach, weil diese Figur nur aggressiv ist, und das fand ich schwer. Die hat einfach etwas extrem Raues, das ich, glaube ich, selbst nicht habe.

Emilia Schületip Haben Sie das Gefühl, dass Sie häufig Angebote für ähnliche Rollen bekommen?
Emilia Schüle Nein, das ist vorbei. In der Zeit, als ich 16 war, gab es das schon. Da habe ich dann immer die Familientöchter gespielt. Aber jetzt ist es eigentlich total vielseitig und spannend.

tip Auf was für einen Film hätten Sie in Zukunft Lust?
Emilia Schüle Ich würde gerne mal einen Film machen, der auf einem Musikfestival spielt. Für mich sind Festivals so etwas wie Parallelgesellschaften. Leute gehen dorthin, um dem Alltag zu entfliehen, um genau der zu sein, der man sonst nicht zu sein schafft.

tip Und wer würden Sie dann sein?
Emilia Schüle Ich bin ja keine Drehbuchautorin. Jedenfalls jemand, der anders ist als ich.

tip Ist das wichtig, dieses Anderssein?
Emilia Schüle Na ja, mich kenne ich ja schon.

Interview: Carolin Weidner

Fotos: Harry Schnitger / tip

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