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„Ender\s Game“ im Kino

Ender's Game

Der Gegner liegt bereits am Boden, doch der weitaus schmächtigere Junge, den er zum Kampf herausgefordert hat, versetzt ihm noch ein paar gezielte Tritte. Damit sind der Angreifer und dessen Gang gleich gewarnt, so etwas in Zukunft nicht noch einmal zu versuchen. Mit seinem strategischen (Voraus-)Denken sollte es der zwölfjährige Andrew „Ender“ Wiggin noch weit bringen, zumal in einer Gesellschaft, in der das Militär großen Einfluss hat. Gleich diese erste Szene macht den Zuschauer zum Komplizen des Jungen, dessen Fähigkeiten beängstigend sind und der befürchtet, die Neigung zur Gewalt von seinem älteren Bruder übernommen zu haben. Was aber, wenn diese Fähigkeiten ihn zum idealen Rekruten in einem militärischen Trainingsprogramm machen, an dessen Ende die Vernichtung einer außerirdischen Rasse steht, die die Erde vor 50 Jahren schon einmal besetzt hat? Die ambivalente Darstellung des Militärs prägt die Verfilmung von Orson Scott Cards Science-Fiction-Bestseller, bis hin zum ernüchternden Ende, in dem aus Spiel unversehens Ernst wird – mit fatalen Konsequenzen.

Text: Frank Arnold

Foto: 2013 Constantin Film Verleih GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Ender’s Game“ im Kino in Berlin

Ender’s Game?, USA 2013; Regie: Gavin Hood; Darsteller: Asa Butterfield (Andrew „Ender“ Wiggin), Harrison Ford (Colonel Hyrum Graff), Sir Ben Kingsley (Mazer Rackham); 114 Minuten; FSK 12

Kinostart: 24. Oktober

Gavin Hood bei den Dreharbeiten zu

Drei Fragen an Regisseur Gavin Hood

tip Sie haben die Produzenten mit Ihrem Pitch überzeugt. Wie sah der aus?
Gavin Hood Der Roman ist ziemlich lang und spielt in einem Zeitraum von ungefähr acht Jahren. Für mich war es wichtig, dass die Zuschauer sich mit Ender identifizieren können, auch wenn er kein „guter Junge“ im traditionellen Sinn ist. Deshalb sollte er nur von einem einzigen Darsteller verkörpert werden, entsprechend habe ich den Handlungszeitraum auf neun Monate reduziert. Mein Konzept war: Ender ist in jeder Szene – und wenn Graff und Anderson gezeigt werden, dann sprechen sie über Ender.

tip Sie haben sich auch persönlich angesprochen gefühlt …
Gavin Hood Die Geschichte erinnerte mich an meine eigene Jugend als Soldat, wo ich all diese Verwirrungen erlebte: Man wird verführt mit dem Versprechen, man würde zu einem „tough guy“. Ich war nicht ganz naiv als Siebzehnjähriger im Südafrika der Apartheid, ich versuchte meinen Freund Steven zu überzeugen, nicht den Special Forces beizutreten: „Lass uns den Militärdienst einfach hinter uns bringen.“ – „Nein, wir springen aus Flugzeugen und erleben jede Menge Action!“ Für ihn war das ein großes Spiel, bis er in Angola getötet wurde.

tip Der Höhepunkt des Films bietet spektakuläre Bilder, aber dann kommt es zu einem bösen Erwachen.
Gavin Hood Der Vertreter eines Studios meinte: „Warum kann er nicht einfach die Aliens fertigmachen, und das war’s dann?“ Die Fans lieben das Buch aber gerade für diese Wendung: Es geht um die faschistische Verführung. Das Buch ist immer noch höchst populär in den USA, es wird bei den Marines als Schulungslektüre eingesetzt. Die gewichtigere Frage aber ist: Wann soll man sich einer Anordnung widersetzen? Wann ist sie unmoralisch? Wenn jeder arbeitsteilig an einem Verbrechen wie dem Bau von Konzentrationslagern beteiligt ist, fällt es leicht, die Schuld von sich zu weisen.

Interview: Frank Arnold

Foto: 2013 Constantin Film Verleih GmbH

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