Autobiografie

„Endless Poetry“ im Kino

Poetisch verfremdet: Alejandro Jodorowskys „Endless Poetry“

Foto: Pascale Montandon-Jodorowsky

Der 1929 geborene Filmemacher und Schriftsteller Alejandro Jodorowsky ist einer der letzten Vertreter des Surrealismus. Diese Kunstbewegung war zu Beginn des 20. Jahrhunderts sehr einflussreich, es schien aber, als hätte sie sich bald erschöpft. Da hat man aber die Rechnung ohne Jodorowsky gemacht. In seinem autobiografischen Film geht es nun nicht nur um eine Ehrenrettung der Poesie, sondern eben um ihre Entfesselung. Denn das vor allem bedeutet ja Surrealismus: der Fantasie die Zügel schießen zu lassen.

1970 wurde Jodorowsky mit dem Western „El Topo“ bekannt, 1973 folgte „Montana Sacra“, inzwischen sind beide Kultfilme, einzuordnen irgendwo zwischen Sam Peckinpah und Carlos Castaneda. In „Endless Poetry“ erzählt Jodorowksy das zweite Kapitel seines künstlerischen Werdegangs: die Zeit vor dem Aufbruch nach Paris. Es sind seine Jahre in Santiago de Chile, in denen er zu einem noch jungen Poeten und in Ansätzen auch schon zu dem „Psychoschamanen“ wurde, als den man ihn nun kennt.

Das bescheidene Budget von „Endless ­Poetry“ macht Jodorowsky mit viel Energie und Einfällen wieder wett: Er lässt die Kulissen durchs Bild tragen und verlässt sich auch auf die Kunst der Clowns, die aus ganz wenig (zum Beispiel zu großen Schuhen) sehr viel macht. Auch in der poetischen Verfremdung kann man hier noch viel vom Geist einer Epoche spüren, in der ein Dichter wie Pablo ­Neruda groß werden konnte. Und ein Universalmensch wie Jodorowsky.

Endless Poetry CHI/GB/F 2016, 128 Min., R: Alejandro Jodorowsky, D: Adan Jodorowsky, Brontis Jodorowsky, Leandro Taub, Pamela Flores, Alejandro Jodorowsky, Start: 19.7.

 

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