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Endlich im Kino: „Star Trek“

Star Treck

Zwei Problemjugendliche: In Iowa genügt sich James Tiberius Kirk (Chris Pine) als trunkener Kneipenschläger, ein Halbwaise, seit sich sein Vater einst opferte, um die Besatzung seines Raumschiffs, inklusive Kirks Mutter in Geburtswehen, zu retten. Auf dem fernen Planeten Vulcan verzichtet Spock (Zachary Quinto) auf die höheren intellektuellen Weihen, weil er sich nicht von seinen Emotionen und seiner menschlichen Mutter lossagen will. Ein Skandal in der Welt der eisigen Denker, die ihn als Mischling bes­tenfalls dulden. Zwei junge Männer, Opfer ihrer ganz eigenen Geschichten.
Das passt gut in die Welt von „Star Trek„. Auch der 1966 von Gene Roddenberry fürs Fernsehen konzipierte Stoff drohte nach über 40 Jahren voller Premieren, Fehlstarts, Erfolge und Wildwuchs von der Last der eigenen Vergangenheit erdrückt zu werden. Keine Geschichte, die man nicht schon irgendwie für das „Star Trek“-Universum erzählt hätte, kein Spielraum mehr zwischen selbst gemachten Konventionen und überladener Mythologie, nach insgesamt sechs TV-Serien und zehn Ki­nofilmen, nach Comics, Romanen und Computerspielen schien „Star Trek“ erledigt, auch fürs Filmstudio Paramount, das die Rechte an „Star Trek“ besitzt.
„Ehrlich gesagt: Bei Paramount hatte man den Stoff eigentlich schon für tot gehalten“, sagt J. J. Abrams. „Sehr zuversichtlich war man nicht mehr.“
Star TrekAbrams ist Mitte April in Berlin, um für seinen „Star Trek“-Film zu werben, man sitzt nach der Pressekonferenz auf der sonnigen Dachterrasse des Hotel de Rome. Der heute 42-Jährige hat eindrucksvoll Karriere gemacht, nach ersten Kinodrehbüchern Anfang der 90er hatte er als Schöpfer moderner Fernsehserien seinen Durchbruch. „Alias“, „Lost“ und aktuell „Fringe“ haben ihm den Ruf eines gewieften Erzählers eingebracht, im Kino war er Regisseur von „Mission: Impossible III“ und Produzent des Monsterspektakels „Cloverfield„. Verwinkelte Erzählkonzepte und Ensemble-Geschichten liegen Abrams, er kennt sich aus mit Popkultur und aktuellen Ängsten. Nur ein „Star Trek“-Fan war er nie. Warum dreht so jemand dann einen „Star Trek“-Film?
Ursprünglich sollte J. J. Abrams das Projekt nur produzieren. „Für mich war das eine hübsche He­rausforderung. Viele meiner Freun­de waren ja große Fans, irgendwas musste ‚Star Trek‘ ja haben“, sagt der Filmemacher. „Also habe ich mit den Autoren und meinen Koproduzenten zu schreiben angefangen, langsam entwickelte das durchaus Sogwirkung. Beim fertigen Drehbuch war dann alles da, was mich interessiert: tolle Figuren, Drama und Action, Romantik und Abenteuer, eine optimistische Haltung und Spezialeffekte. Wunderbares Material.
Da wollte Abrams dann auch keinen anderen mehr ranlassen. „Vielleicht muss jemand wie ich die Regie übernehmen, damit der Film auch Leute wie mich anspricht, Menschen, denen ‚Star Trek‘ eher egal war.“ Und er ergänzt: „Wir haben wirklich hart an dem Projekt gearbeitet, aber wir arbeiten gerne noch härter, um die Leute davon zu überzeugen, dem Film eine Chance zu geben.“
Star TrekDiese Chance hat „Star Trek“ verdient. Lustvoll entrümpelt Abrams die angestaubte Popkultur-Ikone und wirft fast alles über Bord, woran die „Trekkies“ angeb­lich so hängen: weg mit Shake­s­peare-Zitaten und „primärer Direktive“, lauen Witzeleien und immer undurchsichtigeren Referenzen an vergangene Fälle, Filme, Folgen.
„Star Trek“ ist ein Neuanfang, ein Relaunch, wie James Bond ihn mit „Casino Royale“ bekam, es geht zurück zur Sternzeit Null. Der renitente Kirk findet hier zur „friedenssichernden und humanitär tätigen“ Sternenflotte und trifft da schon in der Ausbildung zum Raumfahrer auf Jungoffizier Spock, die Abneigung zwischen Cowboy und Logiker sitzt ab der ersten Begegnung gleich richtig tief.

Lesen Sie den vollständigen Artikel in tip 10/09 auf den Seiten 38-39.

Text: Thomas Klein

tip-Bewertung:
Sehenswert

Star Trek, USA 2009; Regie: J. J. Abrams; Darsteller: Chris Pine (James T. Kirk), Zachary Quinto (Spock), Eric Bana (Nero); Farbe, 126 Minuten


Kinostart: 7. Mai

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