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Filmkritik

„Enfant Terrible“ von Oskar Roehler: Fassbinder-Biopic am Rand der Karikatur

Biografie Das japanische Wort Kamikaze bedeutet wörtlich „göttlicher Wind“. Für den Filmemacher Rainer Werner Fassbinder, der in einem Film von Wolf Gremm mit dem Titel „Kamikaze 1989“ einmal einen Polizisten spielte, kam der „göttliche Wind“ vor allem von innen: Es waren seine eigenen Widersprüche und Energien, die ihn auf einem extremen künstlerischen Lebensweg antrieben, von dem der Film „Enfant Terrible“ von Oskar Roehler nun erzählt.

Fassbinder war 37 Jahre als, als er 1982 starb, er hinterließ mehr als 40 Filme, und eine Art Großfamilie, denn er lebte und arbeitete in einem Kollektiv von Menschen, mit denen ihn Ideen und Leidenschaften verbanden.

"Enfant Terrible" von Oskar Roehler
„Enfant Terrible“ von Oskar Roehler. Foto: Weltkino

Unter den deutschen Filmemachern der darauffolgenden Generationen galt Oskar Roehler immer als einer, der besonders deutlich aus dem Geist von Fassbinder arbeiten wollte. Da ist es nur konsequent, dass er nun „seinen“ Film über ihn gemacht hat: „Enfant Terrible“ ist so etwas wie eine filmische Windmaschine, die Leben und Werk von RWF einmal kräftig durchpustet.

Eiliger Durchlauf: „Enfant Terrible“ von Oskar Roehler

Roehler eilt in knapp zweieinviertel Stunden einmal durch das Gesamtwerk, lässt dabei auch unbekanntere Filme wie „Whitey“ aufblitzen, kommt einmal für eine bizarre Szene sogar nach Marokko, und versammelt eine große Riege von Schauspielern in einem Setting, das alle Konventionen von einem „historischen“ Film in eine eigenartige Form von Ramsch-Abstraktion aufhebt.

Für die Hauptrolle von Oliver Masucci gilt, was auch für „Enfant Terrible“ insgesamt gilt: der Versuch, Fassbinder durch eine reine Energieleistung gerecht zu werden, ist aller Ehren wert, gerät aber nicht selten hart an den Rand der Karikatur.

D 2020; 135 Min.; R: Oskar Roehler; D: Oliver Masucci, Hary Prinz, Katja Riemann; Kinostart: 1. 10. 2020


Außerdem diese Woche neu im Kino: die Filmstarts vom 1. Oktober; weiterhin im Kino: die Filmstarts vom 24. September, die Filmstarts vom 17. September, die Filmstarts vom 10. September

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