Balkandrama

„Enklave“ im Kino

Im Panzer zur Schule: Ein serbischer Junge möchte aus seiner „Enklave“ entkommen

Foto: Barnsteiner Film

Die ersten Fahrten mit dem Panzer waren für den zehnjährigen Nedad noch ein Abenteuer. Mittlerweile vertieft der tägliche Weg in die Schule in dem ungewöhnlichen Gefährt seine Einsamkeit. Er lebt mit Vater und Großvater in einem abseits gelegenen Haus in den Bergen des Kosovo. Sie gehören zu den wenigen Christen, die nach der Unabhängigkeit des ­Landes in dem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Gebiet geblieben sind. UN-Blauhelme garantieren die Sicherheit der Familie in der von gegenseitigem Hass zerrissenen Dorfgemeinschaft.
Den Alltag in einer vom langjährigen Krieg gezeichneten Umgebung schildert der serbische Regisseur Goran Radovanović in seinem zweiten Spielfilm konsequent aus der Sicht des Jungen. Das Gesicht des beeindruckenden Jungdarstellers Filip Subarić ist ein Spiegel von Nedads Emotionen. Sehnsüchtig beobachtet er die Nachbarskinder beim ­Spielen, doch diese lehnen den christlichen Außenseiter ab. Nur der Hirtenjunge Bashkim reagiert auf Nedads schüchterne Annäherungsversuche. Sie enden jäh, als das Thema Blutrache ins Spiel kommt.
Die Verletzungen des Krieges haben tiefe Spuren in allen Seelen hinterlassen und werden zum Motor eines packenden und bewegenden Dramas um Freundschaft und Familienbande. Eindringlich beleuchtet es die Folgen religiöser und ethnischer Konflikte für den Einzelnen und die Schwierigkeiten, den Kreislauf von Gewalt zu durchbrechen. Das verleiht dem Film, den Serbien für den Oscar vorgeschlagen hat und der schon diverse Preise gewonnen hat, Universalität und Aktualität.

Enklava (OT) D/SRB 2015, 92 Min., R: Goran Radovanović , D: Filip Subarić, Nebojsa Glogovać, Anica Dobra, Start: 16.2.

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