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„Erinnerungen an Marnie“ im Kino

Erinnerungen an Marnie

Beim Studio Ghibli stehen Veränderungen an: Nach dem Rückzug der Studiogründer Hayao Miyazaki und Isao Takahata und dem teuren Flop von Takahatas „Die Legende der Prinzessin Kaguya“ (2014) liegt die Animationssparte des japanischen Traditionshauses („Prinzessin Mononoke“) vorerst auf Eis, „Umstrukturierungen“ sind angekündigt. Das bedeutet im Klartext, dass man die Angestellten des Studios entlassen wird, um in Zukunft nur noch projektgebunde Neueinstellungen vorzunehmen. Inwiefern dies den Stil des Studios verändern wird, bleibt vorerst abzuwarten.
Mit „Erinnerungen an Marnie“ von Hiromasa Yonebayashi kommt jetzt der letzte Film des „alten“ Ghibli bei uns in die Kinos und entfaltet noch einmal den ganzen Reichtum des detailversessenen Quasi-Realismus, für den das Studio berühmt ist. Auch dass man sich mit „Damals mit Marnie“ (1967) der britischen Autorin Joan G. Robinson einen europäischen Kinderbuchklassiker zur Adaption vorgenommen hat, steht ebenso in der Ghibli-Tradition wie dessen Geschichte um ein heranwachsendes Mädchen, das einige Schwierigkeiten in seinem Leben zu überwinden hat, ehe es einer erfüllteren Zukunft entgegenblicken kann.
Denn der 12-jährigen Anna geht es nicht gut: Die Außenseiterin ohne Selbstwertgefühl leidet unter seelisch bedingtem Asthma und wird von ihrer Pflegemutter zur Erholung ans Meer geschickt, wo ein vertraut erscheinendes Landhaus Annas Interesse weckt. Bald imaginiert sie sich dort in kleine Abenteuer mit der wie aus der Zeit gefallen erscheinenden Marnie hinein. Seltsam ist nur, dass diese neue Freundin ihrer Tagträume in der Villa ein sehr reales Tagebuch hinterlassen hat, in dem die gemeinsamen Erlebnisse geschildert sind.
Träume, Erscheinungen, Stimmen aus der Vergangenheit – die Ebenen durchdringen sich, dabei spiegeln die Probleme der lebhaften Marnie jene der stillen Anna in komplexer Manier, denn nicht immer war die alte Zeit so schön wie ihr nostalgischer Glanz verspricht. Und am Ende wird klar: Weiß man erst einmal woher man kommt, kann man der Zukunft ?gelassen entgegenblicken.

Text: Lars Penning

Foto: Universum Film

Orte und Zeiten: „Erinnerungen an Marnie“ im Kino in Berlin

Erinngerungen an Marnie (Omoide no Mвnо), Japan 2014; Regie: Hiromasa Yonebayashi; Stimmen OF: Sara Takatsuki (Anna Sasaki), Kasumi Arimura (Marnie), Nanako Matsushima (Yoriko Sasaki); 103 Minuten

Kinostart: Do, 12. November 2015?

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