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Erwachsenes Drama: „Saiten des Lebens“

Saiten_des_LebensEines Abends, das berühmte Streichquartett The Fugue übt Beethovens tückisch schweres Opus N°131, will dem großen Cellisten Peter Mitchell der Bogen nicht so recht gehorchen. Die zu Rate gezogene Hausärztin diagnostiziert das Frühstadium von Parkinson; Peter kündigt seinen Mitmusikern seinen baldigen Rücktritt an und schlägt auch gleich eine Nachfolgerin vor. Fortan geht es drunter und drüber. Die zweite Geige meint, zukünftig mit der ersten Geige alternieren zu wollen, und zerstreitet sich darüber mit der Viola, seiner Ehefrau. Die wiederum überlegt, ob sie nicht lieber ganz aufhört, und sucht Rat bei der ersten Geige, in die sie früher einmal verliebt war. Die erste Geige, gleichfalls nicht faul, beginnt derweil mit der Tochter der beiden Kollegen, die bei ihm Privatunterricht nimmt, ein Verhältnis.

Komisch ist das alles allerdings keineswegs. Vielmehr ist „A Late Quartet“ von Yaron Zilberman ein angenehm altmodisches Drama, in dem erwachsene Menschen mit erwachsenen Problemen konfrontiert werden und auf erwachsene Weise mit diesen umgehen. Die Geschichte trägt sich im erlesenen Ambiente von Uptown Manhattan zu und spart nicht mit Bildungszitaten. Man ist begütert, kultiviert und weiß die schönen Dinge zu genießen. Ein verfeinerter Geschmack hilft aber auch nicht weiter, wenn die Leidenschaft Kapriolen schlägt, die Eitelkeit gekränkt wird oder der Körper den Dienst aufkündigt.
Es kommt zu Aussetzern und Ausrastern: Hilflose Wutausbrüche, zorniges Weinen, stumme Verzweiflung, tiefe Trauer – all das gibt es. Aber eben auch und vor allem die Arbeit an der Lösung im unermüdlichen Suchen des Gesprächs. Sowie jede Menge Musik in Theorie und Praxis.

An den Streichinstrumenten im Off sitzt das Brentano String Quartet, während in den Rollen der Streicher vor der Kamera nicht minder erlesene Schauspieler agieren. Und während die einen in perfekter Harmonie aus Noten die berührendste Musik erschaffen, gestalten die anderen im sehenswerten Zusammenspiel von Wort und Körper die Disharmonie komplexer Charaktere. Starke Egos, die ein noch stärkeres Wir ergeben. So gesehen ist „A Late Quartet“ dann doch wieder das reinste Vergnügen.    

Text: Alexandra Seitz

Foto: SenatorFilmVerleih

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten in Berlin: A Late Quartet

A Late Quartet USA 2012; Regie: Yaron Zilberman; Darsteller: Philip Seymour Hoffman (Robert Gelbart), Christopher Walken (Peter Mitchell), Catherine Keener (Juliette Gelbart); 105 Minuten;

Kinostart: 2. Mai  

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