Kommentar

„Es gatet überall“ von Bert Rebhandl

Das kuriose Versehen auf dem Höhepunkt der diesjährigen ­Oscar-Verleihung hat es längst zu einem Eintrag in die „Urban Dictionary“ geschafft

Bert Rebhandl

Man muss jetzt nur noch „envelopegate“ sagen, und alle nicken, und ­denken dabei vermutlich an die Miene von Emma Stone, die anscheinend als eine der ersten begriff, dass irgendetwas gerade ganz furchtbar schief ging – in etwa so, wie wenn jemand bei einer Firmenfeier als Mitarbeiter des Jahres gefeiert wird, aus Versehen händigt man aber einen blauen Brief aus. Oder umgekehrt, die Sache macht einen ja ganz konfus.
Längerfristig interessant ist vor allem die ja inzwischen bestens eingeführte Gewohnheit, alles als „gate“ zu bezeichnen, was ­irgendwie skandalös ist. Wenn in einem Kabinengang nach einem Fußballspiel mit italienischem Dünnteiggericht geworfen wird, ist das unweigerlich „Pizzagate“. Und es ist hoffentlich nicht sittenwidrig, wenn einem dazu auch heute noch „Nipplegate“ einfällt, bei dem Janet Jackson 2004 ein sekundäres Geschlechtsmerkmal auskam. Watergate, von wo das alles herkommt, müsste man in dieser Logik dann eigentlich ­Watergategate nennen. Und bei der Berlinale gab es 2001 einen Eröffnungsfilm, der hieß „Enemy at the Gates“ – und das war ein richtiges Eröffnungsfilmgate. Muss ich jetzt noch erwähnen, wozu man in Berlin einen Flug­hafen braucht? Ganz einfach, TXL hat zu wenig Gates. BER ­dagegen hinreichend.

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