Tragikomödie

„Es war einmal in Deutschland“ im Kino

Moritz Bleibtreu als jüdischer Überlebenskünstler im Nachkriegsdeutschland

Foto: X Verleih

Mit knapper Not hat David Berman den Krieg überlebt, und nun muss er sich auch noch dafür rechtfertigen: Eine amerikanische Militärpolizistin will von ihm wissen, ob auch alles mit rechten Dingen zugegangen ist in seiner Zeit im Konzentrationslager. Berman ist Jude, er sieht sich auf dem Weg nach Amerika, aber jetzt ist er noch in Deutschland, eine von vielen „displaced persons“. Er lässt sich lieber eine Geschichte einfallen, die Wahrheit erscheint ihm für die Befreier nicht zumutbar.

Von Beginn an spielt Regisseur Sam Garbarski („Irina Palm“) überdeutlich mit dem Motiv der verschiedenen Wahrheiten, von denen die des jüdischen Humors (also eine pessimistische Sicht auf Dinge, von denen man sich aber nach Möglichkeit nicht unterkriegen lässt) die relevante ist in einer Verfilmung zweier erfolgreicher Romane von Michel Bergmann („Die Teilacher“, 2010; „Machloikes“, 2011).

Moritz Bleibtreu dominiert diesen Ensemblefilm mit teilweise zu blassen Nebenfiguren mit einer zwiespältigen Leistung: Er tut sich vor allem schwer mit den abgründigen Facetten dieses David Berman, der 1946 fast schon zu unmittelbar auf einen Schwerenöter umstellt. Mit dem Verkauf von Wäsche will er das Kapital für den Neustart verdienen. „Es war einmal in Deutschland“ bleibt als Film ein unausgewogener Versuch, der schweren Zeit mit überraschenden Genreformeln beizukommen. Die forcierte Heiterkeit eines halben Ganovenstücks soll die Traumata überdecken, man spürt aber weder wirklichen Humor noch genuine Trauer.

Es war einmal in Deutschland D/LUX/B 2017, 101 Min., R: Sam Garbarski, D: Moritz Bleibtreu, Antje Traue, Tim Seyfi, Mark Ivanir, Anatole Taubman, Start: 6.4.

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