Coming of Age

„Es war einmal Indianerland“ im Kino

Wüster Jugendtrip: Es war einmal Indianerland

Camino

Zu Beginn werden ­diverse Szenen des Films in Clip-Manier angespielt: die niedliche Jackie im Freibad, die rätselhafte Edda, der Freund Kondor mit blutigem Gesicht im Boxring, die Leiche der Stiefmutter. Und natürlich der 17-jährige Mauser, der sich vorkommt, als würde er sich auflösen. Dann wird die Play-Taste gedrückt, und der wüste Trip beginnt. Wie ein Mix-Tape.
Eine Hochhaussiedlung am Hamburger Stadtrand. Der talentierte Boxer Mauser trainiert für einen wichtigen Wettkampf in einer Woche, hängt mit seinem durchgeknallten Kumpel Kondor herum und begegnet auf einer Poolparty der hübschen ­Jackie aus gutem Hause, in die er sich prompt verliebt.

Wären da nur nicht die eigenwillige Edda mit ihren kryptischen Verabredungen auf Postkarten und der merkwürdige Indianer auf dem Motorrad, den ­offenbar nur Mauser sehen kann. Als Mausers Vater seine Frau erwürgt und vor der Polizei flieht, gerät das ohnehin fragile Leben des Jungen vollends ins Wanken. Mauser folgt dem Vater an die Grenze, wo ein bizarres Hippie-Festival stattfindet und ihm alle Beteiligten wie ein Reigen von Gespenstern erscheinen. Bis der Sturm losbricht.

Ilker Çatak, Studenten-Oscar-Gewinner für den Kurzfilm „Sadakat“, hat den Jugendroman von Nils Mohl, der auch am Drehbuch mitarbeitete, als stakkatohafte Collage mit wilden Zeitsprüngen, skurrilen Indianer-Motiven und schlaglichtartig beleuchteten Figuren inszeniert – wie einen ­Drogen-Trip. Überschäumend, anstrengend, ­originell, nervig, witzig, überfrachtet. Aber ungestüm und mit unverkennbarem Sog.

Es war einmal Indianerland D 2017, 97 Min., R: Ilker Çatak, D: Roland Leonard ­Schleicher, Johanna Polley, Emilia Schüle, Start: 19.10.

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