Keine Zeit für Lügen

„Euphoria“ im Kino

Die beiden Schwestern, die sich zum ersten Mal seit Jahren wiedersehen, könnten unterschiedlicher kaum sein: Ines, die solide im Leben stehende Jüngere, hat in New York als Künstlerin Karriere gemacht, während die Ältere, Emilie, sich um die schwierige Mutter gekümmert hat

Die Reise, zu der Emilie Ines eingeladen hat, führt sie irgendwo in Europa an einen Waldweg, wo sie bereits von einem Empfangskomitee erwartet und zu einem versteckten, schlossähnlichen Anwesen mit seltsamen Bewohnern geführt werden.

Die Irritation klärt sich alsbald auf – und an dieser Stelle muss, ohne groß zu spoilern, erwähnt werden, dass Emilie sich diesen Ort zum Sterben ausgesucht hat. Einen idyllischen, friedlichen, perfekten Flecken Erde, an dem Ines sie durch die letzten ihr verbleibenden Tage begleiten soll. Dort spielt auch die mysteriöse „Begleiterin“ Marina eine entscheidende Rolle …

In ihrem dritten Spielfilm bleibt die schwedische Regisseurin und Drehbuchautorin Lisa Langseth meist dicht an ihren beiden Protagonistinnen, doch Rob Hardys („Ex Machina“, „Auslöschung“) Kamera fängt immer wieder spätsommerlichen, fast zu schöne Bilder ein. Vor dem erlesenen Ambiente einer Luxusklinik inmitten elysischer Natur spielt sich Banales wie Erhabenes ab, und schnell geht es zwischen den Schwestern auch um die Versäumnisse der Vergangenheit, um Enttäuschungen und Verletzungen.

Die nicht besonders originellen Familiengeschichten stehen allerdings nicht im Mittelpunkt, vielmehr geht es – im Angesicht des Todes – um letzte Dinge: Schönheit, Vergänglichkeit, Sex, Liebe, und ja, selbstbestimmtes Sterben. Wenn das Branchenblatte „Variety“ ätzt, der Film sei „wie eine verworfene Idee aus Yorgos Lanthimos‘ Mülleimer“, wird andersherum ein Schuh draus: So könnte ein Lanthimos-Film ohne prätentiösen Kunstschwurbel aussehen. Die wenigen aufgesetzt wirkenden Szenen in „Euphoria“ werden von den vielen heiteren Bildern zum düsteren, diskussionswürdigen Thema und dem Spiel von Eva Green und Alicia Vikander allemal wettgemacht.

Euphoria S/GB/D 2017, 104 Min., R: Lisa Langseth, D: Alica Vikander, Eva Green, Charlotte Rampling, Charles Dance, Start: 24.5.

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