Kino & Stream

„Euphorie“ von Bert Rebhandl


Für uns Filmjournalisten sind der Januar und der Februar in Berlin wie ein verlängertes Weihnachtsfest. Die Berlinale beginnt nämlich für die professionellen Beobachter, die das Glück haben, in der Stadt zu leben, schon vier Wochen früher, dauert also im Grunde eineinhalb Monate. Seit Wochen laufen im Arsenal und im Cinemaxx am Potsdamer Platz die Pressevorführungen vor allem des Panoramas und des Forums. Fast 20 Filme habe ich schon gesehen, das kann das Gefühl der Ohnmacht, mit dem man gewöhnlich in so ein Festival hineingeht, zumindest ein bisschen lindern. Dieses Gefühl stellt sich ein angesichts der Übermacht des Angebots: 500 Filme laufen in Berlin pro Jahr an, 400 bietet nun die Berlinale, aus all dem eine Auswahl zu treffen, gleicht einem Spiel mit einem übergroßen Rubik-Würfel. Wie bringe ich alle osteuropäischen Filme in eine Reihe, ohne dabei den Iran (ein anderes Forschungsgebiet) nicht zu vernachlässigen? Was ich auf der Berlinale (oder später im Jahr in Toronto) sehe, hilft mir, die Filme besser einzuschätzen, die in Berlin anlaufen. Hier kommt ja nur das ins Kino, wovon sich jemand ein Geschäft (manchmal nur ein sehr kleines) verspricht. Da ist ein riesiger Basar, wie es die Berlinale ja auch ist, genau richtig, um alles ein wenig in die Verhältnisse zu setzen: Kunst und Kommerz, Spaß und Ernst, Politik im Großen und im Kleinen. Wenn dieses Heft in Druck geht, bin ich schon wieder im Kino: ein brasilianischer Film von einer Regisseurin, die ich im Vorjahr auf der Berlinale entdeckt habe.

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