Kino & Stream

„Evil Dead“ im Kino

Evil Dead

Eine einsame Holzhütte im Wald und fünf Jugendliche, die sich, vom Bösen besessen, gegenseitig in Stücke hacken und zersägen. Mehr als dieses dürftige, aber effektive Handlungsgerüst war nicht nötig, als Regisseur Sam Raimi 1981 den kleinen Horrorfilm „The Evil Dead“ drehte. Mit seinen schwindelerregenden Kamerafahrten, liebevoll handgemachten Latex-Effekten und rasanter Dramaturgie wurde der Film zu einem der einflussreichsten Horrorfilme der 80er-Jahre. In Deutschland, wo der Film unter dem Titel „Tanz der Teufel“ zu sehen war, erlangte er Kultstatus, weil die Videofassung 1984 wegen angeblicher Gewaltverherrlichung bundesweit beschlagnahmt wurde. Bis heute ist „The Evil Dead“ Inspirationsquell für erfolgreiche Horrorware wie „Cabin Fever“ (2002) oder „Cabin in the Woods“ (2011). Ein Remake war also unausweichlich.
Doch als Regisseur muss sich Sam Raimi heute nicht mehr an verpönter Horrorkost schmuddelig machen. Längst ist er zum verantwortungsvollen Hollywood-Erneuerer aufgestiegen, hat mit seiner „Spider-Man“-Trilogie (2002–2007) wesentlich zum Erwachsenwerden des Superheldenfilms beigetragen und soeben mit dem 3-D-Prequel „Die fantastische Welt von Oz“ amerikanisches Märchen-Kulturgut für kommende Generationen aufbereitet. Doch als Produzent des „Evil Dead“-Remakes wacht er sehr wohl über das von ihm kreierte Splatter-Franchise. Der Regie-Neuling Fede Alvarez hat in seinem Drehbuch gleich die ersten beiden „Evil Dead“-Filme verwurstet und den zu Tode verurteilten Figuren tatsächlich etwas mehr Tiefe verliehen.
Evil DeadDer simple Plot erweist sich dabei erneut als geeignete Plattform für eine Aneinanderreihung von unappetitlichen Abscheulichkeiten, die für das Genre so selbstverständlich wie unabdingbar sind. Die Auflösung des menschlichen Körpers im Detail und der damit einhergehende Tabubruch waren das Thema des Splatter-Films der 80er-Jahre. Den ungeschönten blutigen Realismus der Körperverstümmlungen jetzt in technischer Perfektion auf der Riesenleinwand im Multiplex-Kino zu sehen, schockiert sicher nicht mehr so wie damals. Die Tatsache, dass „Evil Dead“ bei seinem Start in den USA gleich auf Platz 1 der Kinocharts landete, beweist, dass harter Horror inzwischen im Mainstream angekommen ist. Dennoch sprengen das blutige Gemetzel und der unermüdliche Einsatz von Körperflüssigkeiten im neuen „Evil Dead“ die Geschmacksgrenze des Unterhaltungskinos. Und so waren selbst in den USA einige Kürzungen vonnöten, damit der Film ein R-Rating (Zutritt bis 17 Jahre nur in Begleitung eines Erwachsenen) bekam. In den deutschen Kinos ist diese Fassung mit einer Freigabe ab 18 Jahren zu sehen. Dabei sind Minderjährige das Zielpublikum. Eine bundesweite Beschlagnahme ist wohl nicht zu befürchten. Jugendschützer haben sich längst auf Ballerspiele eingeschossen. Die ungekürzte Unrated-Fassung des Films wird garantiert auf dem Heimkinomarkt nachgereicht.

Text: Jörg Buttgereit

Fotos: 2013 Sony Pictures Releasing GmbH

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Evil Dead“ im Kino in Berlin

Evil Dead, USA 2013; Regie: Fede Alvarez; Darsteller: Jane Levy (Mia), Shiloh Fernandez (David), Lou Taylor Pucci (Eric); 91 Minuten; FSK: keine Jugendfreigabe

Kinostart: 16. Mai

Mehr über Cookies erfahren