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„The Exchange“ im Kino

The Exchange

Das Unheimliche kennt keine Tageszeit. Der junge israelische Physiker Oded begegnet ihm in „The Exchange“ am frühen Nachmittag, als er kurz von seinem Büro in der Universität nach Hause fährt, um vergessene Unterlagen zu holen. Die Wohnung ist still, auf dem Bett liegt seine schlafende Frau. Alles existiert auch ohne ihn, in gelassener Gleichgültigkeit. Der Blick von außen macht ihn zum Fremden, er unterstellt den Dingen in ihrem unbeirrten Dasein verborgene Bedeutung.
Was sich faktisch ereignet, ist leicht skurril, aber keinesfalls spektakulär. Regisseur Eran Kolirin, der mit seinem Debüt „Die Band von nebenan“ (2007) einen Arthouse-Erfolg feierte, versucht das akribische Protokoll einer allmählichen Verrückung, die einen geordneten, eigentlich langweiligen Charakter befällt. In den immergleichen Einstellungen werden die immergleichen Orte gezeigt, die in der hellen Aufgeräumtheit der mediterranen Moderne geheimnislos wirken. Erst das Insistieren des Blicks unterstellt ihnen umkehrlogisch ein Geheimnis, erst das Serielle erzwingt die paranoide Aufmerksamkeitsschärfung. Das ist anstrengend und faszinierend zugleich.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Pandorafilm

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „The Exchange“ im Kino in Berlin

The Exchange (Hahithalfut), Israel/Deutschland 2011; Regie: Eran Kolirin; Darsteller: Rotem Keinan (Oded), Sharon Tal (Tami), Dov Navon (Yoav); 98 Minuten; FSK 12

Kinostart: 30. August

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