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„The Exploding Girl“ im Kino

Es wird viel telefoniert in diesem Film. Denn zum einen sind die jungen Protagonisten einfach in einem Alter, in dem man nun einmal unheimlich gern telefoniert. Zum anderen verbringt Heldin Ivy die Semesterferien getrennt von ihrem Freund Greg und will naturgemäß hin und wieder hören, was er so treibt und wie es ihm geht und ob er sie auch vermisst. Im Zuge der Telefoniererei stellt sich heraus, dass die beiden noch nicht lange zusammen sind, jedenfalls offenbar nicht lange genug, um ihn davon abzuhalten, sich zu Hause aufs Neue an seiner alten Flamme zu wärmen. Zusätzlich kompliziert wird die Situation, als Ivys ältester und bester Freund Al vorübergehend bei ihr einzieht. Auch Al hat Liebessachen im Kopf, und freilich will er Ivy trösten. Was aber, wenn beste Freunde sich verlieben?
Das sind so die Dinge des Lebens, wie sie sich für einen jungen Menschen an der Schwelle zum Erwachsenwerden darstellen. Bradley Rust Gray filmt das Gehen, Reden, Verharren und Grübeln seiner Protagonisten in „The Exploding Girl“ immer wieder aus räumlicher Distanz, so als wolle er zwischen den Figuren und den Zuschauern einen Raum schaffen, in dem all die Gefühle zur Geltung kommen können, von denen nicht, oder nur in Halbsätzen oder in Andeutungen gesprochen wird.
Sprache, Dialog, Kommunikation sind hier nur indirekte Bedeutungsträger. Als Teil einer Strömung im US-amerikanischen Independent-Kino namens Mumblecore geht auch „The Exploding Girl“ dem Zusammenhang zwischen Worten und Sachverhalten nach und beobachtet, wie zwischen den Gesprächspartnern die Wahrnehmung ihrer gemeinsamen Gegenwart aus­gehandelt wird und wie aus alltäglicher Unterhaltung allmählich zukunftsweisende Realität entsteht. Was im Einzelnen gesagt wird, ist dabei weniger wichtig, als dass überhaupt etwas gesagt wird, denn im Zuhören und Antworten versichert man sich gegenseitig des Wahrgenommenwerdens und letztlich der eigenen Existenz. Das sieht dann aus wie im richtigen Leben und ist eben immer mal wieder ein bisschen langweilig.

Text: Alexandra Seitz

Foto: Carolyn Drake

tip-Bewertung: Annehmbar

Orte und Zeiten: „The Exploding Girl“ im Kino in Berlin

The Exploding Girl, USA 2009; Regie: Bradley Rust Gray; Darsteller: Zoe Kazan (Ivy), Mark Rendall (Al), Maryann Urbano (Ivys Mutter); Farbe, 80 Minuten

Kinostart: 6. Mai

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