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„Fair Game“ im Kino

Fair Game

George Bush, Tony Blair und ihre Administrationen haben die Weltöffentlichkeit bewusst angelogen, als sie im Jahr 2003 vermeintliche Massenvernichtungswaffen in den Händen von Saddam Hussein als zwingenden Grund für einen Einmarsch in den Irak angaben. Bei uns weiß das praktisch jeder, in den USA vielleicht nicht, dort hält schließlich auch ein nicht unbedeutender Teil der Bevölkerung Präsident Obama für einen muslimischen Kommunisten. Insofern mag man Doug Limans Polit- und Spionagedrama „Fair Game“, das die auf Tatsachen beruhende Enttarnung und Diskreditierung der CIA-Agentin Valerie Plame durch die Bush-Administration nachzeichnet, aufklärerisches Potenzial nicht absprechen.
Die mit Operationen im Irak befasste Plame (Naomi Watts) und ihr Gatte, der ehemalige Diplomat Joe Wilson (Sean Penn), hatten zunächst intern ihre Zweifel an der Massenvernichtungswaffentheorie geäußert. Als sie ihre Erkenntnisse von Regierungspolitikern jedoch völlig verdreht und entstellt sahen, schrieb Wilson einen Artikel für die „New York Times“, der in der Folge Plames Enttarnung und eine mediale Hetzjagd auf das Paar nach sich zog. Liman erzählt diese Geschichte temporeich, dabei eher sachlich als emotional, und beleuchtet durchaus schlüssig und unterhaltsam die erhebliche Belastung der Beziehung des Paares Plame/Wilson: Sie schweigt, er sucht die Öffentlichkeit.
Zugleich führt diese Verlagerung des Politischen in das Private jedoch auch dazu, die wichtigste Frage gar nicht zu stellen: Warum hat die Regierung eigentlich gelogen? Dann hätte man nämlich hinterfragen müssen, was in den USA eine ausschließlich im Sinne eigener Interessen handelnde Elite hervorbringt. Das aber hat „Fair Game“ nicht im Sinn: Am Ende hält Joe Wilson eine Rede, in der er die Vorzüge des amerikanischen Systems preist. Man brauche bloß ein paar mutige Leute, die gut aufpassen. Na, dann!

Text: Lars Penning

tip-Bewertung: Zwiespältig

Orte und Zeiten: „Fair Game“ im Kino in Berlin

Fair Game, USA 2010; Regie: Doug Liman; Darsteller: Naomi Watts  (Valerie Plame), Sean Penn (Joe Wilson), Noah Emmerich (Bill Johnson); 106 Minuten; FSK: ab 12

Kinostart: 25. November

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