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„Fanboys“ im Kino in Berlin

Das Wort „Fan“ leitet sich vom englischen fanatic (Fanatiker) ab und bezeichnet einen wild Begeis­terten. So steht es im Lexikon. Fans sind die idealen Konsumenten von Produkten der Kulturindustrie. Sie machen aus diesen Produkten ihre Ersatzreligion, ihren Kult. In den Augen von Nichtfans erscheinen sie als infantile Käuze und Nervensägen. Hierin liegt das Problem dieses Roadmovies, das bereits 2007 fertiggestellt war, auf Betreiben des Produzenten Harvey Weinstein umgearbeitet werden sollte, aber aufgrund der massiven Proteste von „Star Wars“-Fans nun doch in der ursprünglichen Fassung ins Kino kommt. Ein Beispiel für Fan-Power.
Regisseur Kyle Newman erzählt von vier Freunden aus Ohio, die sich in ihrer Schulzeit für die Luke-Skywalker-Saga über alle Maßen begeisterten. Nun, im Jahre 1998, wenige Wochen vor dem Kinostart von „Star Wars: Episode I – The Phantom Menace„, sind sie Anfang 20 und müssen sich mit dem nüchternen Ernst des Er­wach­senwerdens herumschlagen. Da erkrankt einer von ihnen unheilbar an Krebs, und die Freunde hecken einen abenteuerlichen Plan aus: Sie wollen nach Kalifornien fahren, um in George Lucas’ Skywalker-Ranch einzubrechen und sich die Rohschnittfassung von „Episode I“ anzuschauen.
Für „Star Wars“-Fans ist „Fanboys“ eine hübsche Hommage und narzisstische Bestätigung. Es gibt jede Menge Anspielungen auf das Schwingen von Lichtschwertern und „Die Kraft sei mit dir“-Sprüche. Dazu allerlei Gastauf­tritte und ein fortwährendes Augenzwinkern der Kennerschaft. Leider hat sich „Star Wars“-Erfinder George Lucas nicht zur Erscheinung vor der Kamera bewegen lassen.
Was aber bietet „Fanboys“ für Nichtfans? Ein reichlich einfallsloses Jungs-Roadmovie, das die gängigen Klischees abhakt: Wir sehen den Las-Vegas-Trip, der in der Gefängniszelle endet, Begegnungen mit Prostituierten, Motorradrockern und Schamanen, die Beschwörung hysterischer Teen­age-Party-Stimmung im Kontrast zum Ungemach des Erwachsenwerdens. So reduziert sich diese Pilgerfahrt zum heiligen „Star Wars“-Gral auf ein biederes, in ba­nalem Fantum schwelgendes Home­movie für eingefleischte Fans.

Text: Rainer Gansera

tip-Bewertung: Uninteressant

Zeiten und Orte: „Fanboys“ im Kino in Berlin

Fanboys, USA 2007; Regie: Kyle Newman; Darsteller: Sam Huntington (Eric), Christopher Marquette (Linus), Dan Fogler (Hutch); Farbe, 93 Minuten

Kinostart: 30. Juli

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