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Fantasy Filmfest 2014

Fantasy Filmfest 2014

Scarlett Johansson Superstar. Gerade steht sie mit „Lucy“ an der Spitze der deutschen Boxoffice-Charts, da präsentiert sie sich beim Fantasy Filmfest in einer noch ungewöhnlicheren Rolle. Als namenlose Fremde fährt sie mit einem Lieferwagen durch Schottland und verführt fremde Männer, ihr in eine höchst irreale Umgebung zu folgen, in der das Schicksal seinen Lauf nimmt. „Under the Skin“ (Foto) heißt der Film von Jonathan Glazer („Sexy Beast“, „Birth“), der mit seiner minimalistischen Erzählweise an die Fantasie des Zuschauers appelliert und dessen Haltung gegenüber seiner Protagonistin durch einige Wendungen auf die Probe stellt.
Dass der Film, der beim Münchner Filmfest vor zwei Monaten seine deutsche Premiere hatte und dort äußerst gut besucht war, nach den Festivalaufführungen hierzulande keinen regulären Kinostart haben wird, sondern im Oktober als Home-Entertainment-Premiere erscheint, was im Internet bereits zu einer Petition führte, ist kein Einzelfall. Dem Verleih ist das Risiko mit diesem auch gegenüber der Romanvorlage von Michel Faber radikal eigenwilligen Film wohl zu groß – Kultpotenzial hin oder her.
Auch für den Eröffnungsfilm „The Rover“ (mit Robert Pattinson ebenfalls prominent besetzt) wird es keinen Kinostart geben. Das mag in diesen beiden Fällen mit dem speziellen Problem des deutschen Rechteinhabers zu tun haben, der zu viele Filme eingekauft hat. Es trifft aber generell auf das Programm des Fantasy Filmfests zu, das mittlerweile sogar damit wirbt, die Veranstaltung sei die einzige Chance, manche Filme auf der großen Leinwand zu sehen, bevor sie als DVD erscheinen.
Das ist andererseits auch eine Chance für visuell ausgefeilte Filme wie den von Jonathan Glazer und sicher auch für „The Strange Colour of Your Body’s Tears“, den neuen Film des belgischen Duos Helene Cattet und Bruno Forzani, die 2010 mit „Amer“ begeisterten, einer stilvollen Hommage an den italienischen Giallo der Siebzigerjahre. Die beiden kommen vom experimentellen Kurzfilm und stehen nicht alleine da, wenn es darum geht, den Genrefilm als Ausdrucksmittel zu verwenden und weiterzuentwickeln. Dazu gehört etwa auch der vor Kurzem regulär in den Kinos angelaufene dänische „When Animals Dream“.
Wie der vom Publikum verliehene Fresh Blood Award für den besten Erst- oder Zweitfilm eines jungen Regisseurs zeigt, sind die Besucher des Fantasy Film Fests nicht jene tumben Kinogänger, die nur nach Blut (auf der Leinwand) lechzen. Denn in diesem Fall hätten nicht Filme wie das Indie-Drama „Beasts of the Southern Wild“ oder im letzten Jahr der schwarz-weiße Stummfilm „Blancanieves“ diese Auszeichnung bekommen. Apropos Stummfilm: Mit der Vorführung von Jean Epsteins „La chute de la maison Usher“ aus dem Jahr 1928 betritt das Festival in diesem Jahr Neuland – der Klassiker wird musikalisch untermalt von einem DJ.
Ebenfalls zu empfehlen: „It Follows“ von David Robert Mitchell mit seinem verhaltenen Schrecken. Während Quentin Dupieux („Rubber“) in „Wrong Cops“ einmal mehr die Langsamkeit des Bizarren zelebriert, wendet sich auch Gregg Araki nach dem überdrehten „Kaboom“ mit „White Bird in a Blizzard“ einer geradezu klassischen Erzählweise zu. Der gebürtige Hamburger Daniel Stamm („Der letzte Exorzismus“) dagegen inszeniert mit „13 Sins“ eine absurder werdende Geschichte über die Verlockungen des schnellen Geldes – auch in anderen Filmen ein wiederkehrendes Thema.    

Text: Frank Arnold

Foto: Senator Film

Fantasy Film Fest Berlin 27.8. bis 7.9. im CinemaxX Kino 7 und ?CineStar Kino 5, beide Potsdamer Platz, Mitte?, www.fantasyfilmfest.com

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