Genrefilme

Fantasy Filmfest 2016

Toxischer Gewittersturm: Das Fantasy Filmfest 2016 bleibt sich auch im 30. Jahr treu – zur Freude der zahlreichen Fans

Abattoir
Foto: Constantin Film

Das Heulen und Zähneklappern kann ­beginnen. Zum 30. Mal öffnet das ­Fantasy Film Fest seine verdammten Pforten. 1987 in Hamburg gegründet, treibt das Festival seit 1990 auch in Berlin sein ­Unwesen. Die selbsternannte Alternative zum Familien­komödieneinheitsbrei spannt die Bögen erneut weit. Ob eine Mumblecore-Komödie wie „Antibirth“, ein Thriller wie „The Crew“ oder der als richtig verstörend angekündigte Horrorfilm aus Indien „Psycho Raman“ – dies sind Festtage für Liebhaber skurriler, fantastischer oder abseitiger Filme zwischen Trash und Arthouse.

Eine ordentliche Portion schwarzen ­Humors kommt aus Mexiko. Regisseur Isaac Ezban blickt in „The Similars“ in einen buchstäblich gottverlassenen Wartesaal einer Busstation. Während ein toxischer Gewittersturm über die Welt hereinbricht, wächst die Panik unter den in der Station Eingeschlossenen. Eine Krankheit löst bei den missgünstigen Protagonisten nach und nach verstörende Gesichtsmutationen aus. Ein Virus? Ein Regierungsexperiment? Der Satan persönlich?

Mangelnde Empathie findet sich auch in „Train to Busan“. In dem südkoreanischen Zombie-Schocker von Yeon Sang-ho möchte der egoistische Hedgefond-Manager Seok-woo seine Tochter lediglich bei der Ex-Frau abliefern. Bald sieht er sich im fahren­den Zug mit einer Zombie-Epidemie konfrontiert. Schluss mit Eisenbahnromantik. Die wirklich Bösen sind allerdings nicht die Zombies, sondern die Menschen. Eine Hommage an das 70er-Slasherkino à la „Texas Chainsaw Masscre“ bietet „Carnage Park“ von Mickey Keating. Der Film kommt als True-Crime-Movie daher und spielt 1978. Wer in die Fänge des durchgeknallten Vietnam-­Veteranen gerät, der hat nichts zu lachen. Ein besonderes Highlight sind hier die Thai- und Vietnam-Popsongs der 60er und 70er, die die bitterböse Handlung untermalen.

Wer es politisch mag: „Under the Shadow“ von Babak Anvari ist eine Koproduktion aus Iran, Jordanien und Katar – Länder, die weniger für ihre vielfältigen fantastischen Filme bekannt sind. Die Handlung spielt in den 80ern in ­Teheran während des Iran-Irak-Krieges. Sideh wird aus politischen Gründen der Abschluss ihres Medizin-Studiums verwehrt. Verzweifelt sitzt sie allein mit Kind in der bombardierten Stadt und bekommt es zudem mit Dämonen zu tun. Eine fabelhafte Erzählung, in der sich das politische Grauen im Grusel manifestiert.

An der Grenze zum Arthouse ist der großartige Debütfilm „The Eyes of my ­Mother“ von Nicolas Pesce angesiedelt. Nach der brutalen Ermordung der Mutter mutiert ein so einsames wie unschuldiges Mädchen zu einem Monster. Pesce erzählt die zutiefst verstörende Geschichte in eindringlichen Schwarz-Weiß-Bildern, die sich tief in die ­Seele brennen. Wer damit noch nicht genug hat, kann sich gerne Johnny Depp in „Yoga Horses“ von Kevin Smith ansehen. Stichwort: Nazi-Bratwürste.
Dazu ist der notorische Takashi Miike mit seiner „Starship Troopers“-Variante „Terra Formars“ vertreten, und Darren Lynn Bousmann schockiert mit „Abattoir“ (Foto). In diesem Haunted-House-Movie, das wie ein klassischer Film Noir beginnt, begibt sich eine ehrgeizige Reporterin auf die Suche nach dem Zimmer, in dem ihre Schwester nebst Familie grausam gemeuchelt wurde. Sie trifft auf einen widerlichen Prediger, der unbedingt zurück in die Hölle will. Nicht nur dabei: viel Vergnügen.

30. Fantasy Filmfest 17.-28.8., CineStar im Sony-Center, www.fantasyfilmfest.com

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