Dokumentarfilm

„Farewell Halong“ im Kino

Im Jahr 2008 beschloss die vietnamesische Regierung ein großangelegtes Umsiedlungsprojekt: Die schwimmenden Dörfer in der zum Weltnaturerbe gehörenden Halong-Bucht sollten verschwinden, ihre Bewohner in eine zwei Stunden entfernte neue Siedlung auf dem Festland verbracht werden

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Offizielle Gründe: der Müll und die Behinderung des Tourismus. Als der deutsch-vietnamesische Regisseur Duc Ngo Ngoc 2013 begann, seinen Dokumentarfilm „Farewell Halong“ zu drehen, stand die Umsiedelung kurz bevor.

Sein Porträt einer der betroffenen Familien zeigt die Menschen sowohl in ihrem alten ­Dasein (obgleich bereits mit den Ängsten vor der ungewissen Zukunft) als auch beim Umzug und dem neuen Leben auf dem Festland. Und schnell ist klar: Leute mit einer derart spezifischen Lebensweise und Kultur kann man nicht so ohne weiteres verpflanzen.

„Farewell Halong“ ist keine laute Anklage, sondern ein stiller Film, der mit einer intensiven beharrlichen Ruhe den kleinen und ­großen Dramen seiner Protagonisten folgt: der Erzählung, wie die fünfjährige Tochter beim nächtlichen Toilettengang ins Wasser fiel und ertrank, den Streitereien mit dem halbwüchsigen Sohn, dem deprimierten Vater, der auf dem Festland nicht mehr arbeitet, sondern nur noch trinkt. Am Ende kehrt fast die Hälfte aller Umsiedler an und auf das Wasser zurück. Doch in ihre Häuser dürfen sie nicht mehr – sie sind nur noch Museumsattrappen für die Touristen.

Farewell Halong D 2017, 98 Min., R: Duc Ngo Ngoc, Start: 19.4.
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