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Fatih Akins „The Cut“ in Venedig

The Cut

„Hey Mann, ich komm vom HipHop“. Die Pressekonferenz nach der Premiere von „The Cut“ ist fast zu Ende, da wird Fatih Akin noch einmal persönlich. Ein Journalist hatte gefragt, warum in Akins Film, der den Massenmorden an den Armeniern im Zweiten Weltkrieg gewidmet ist, die Armenier allesamt Englisch sprechen würden. Nicht Marketing, sondern die Kontrolle über die Sprache beim Dreh sei sein Anliegen gewesen, entgegenete der Regisseur. Und im übrigen sei das auch in anderen historisierenden Filmen wie „Der letzte Kaiser“ oder „Der Pianist“ ein etablierter Kunstgriff. Abgesehen davon hätte es auch kaum armenisch sprechende Akteure gegeben, die man hätte casten können. Akins Film verfolgt das Schicksal eines Schmiedes, der mit seiner Familie und hunderttausenden anderen Armeniern ein Opfer der Deportationen durch die Osmanische Armee wird. Jahrelang dauert sein Martyrium, das er als verstummter Zeuge beobachtet. Akins Film verfolgt in seiner zweiten Hälfte die Versuche des Mannes, seine Töchter wiederzufinden, ohne dabei je eine wirklich überzeugende Form zu finden. Anleihen bei verschiedenen Genres lenken die Energie immer wieder aus dem emotionalen Zentrum hinaus, bis der Film schließlich im nordamerikanischen Winter endet. Ob „The Cut“ die von Akin erhoffte Wirkung auf das türkische Publikum haben wird, bleibt abzuwarten.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: GORDON MUEHLE / Pandora Film

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