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„Faust“ im Kino

Faust

Schon in seinen Filmen über Lenin, Hitler und Gottkaiser Hirohito hat sich Alexander Sokurow für die Neurosen, Ticks und kleinen Psychopathologien seiner Hauptfiguren mehr interessiert als für ihre dämonischen Qualitäten. Es sind die Zuschreibungen ihrer Umgebungen, die ihnen Macht verleihen, nicht ihr autoritäres Wesen. Als Abschluss seiner Serie ergänzt Sokurow die Tyrannenporträts nun mit einer freien Adaption von Goethes „Faust“, die das Machtverhältnis umkehrt. Sein Film ist die modellhafte Skizze einer aufblühenden, massentauglichen Omnipotenzfantasie, die mit ihrer Gewalt selbst noch den Wucherer/Mephisto (Anton Adasinskiy im spektakulären Madenanzug, Foto) verschlingen wird. In absurden Bildern verknotet Sokurow die Linien des Originals zu einem delirierenden Traumgewirr, in dem Faust (Johannes Zeiler) – vorbei an Sezierstuben, Gretchens Schoß und kochenden isländischen Geysiren – einen neuen Weg in die Zukunft einschlägt. Der vertraglich abgesicherte Verlust der Seele kümmert nicht, wenn man gar keine hat.

Text: Robert Weixlbaumer

Foto: MFA

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Faust“ im Kino in Berlin

Faust, Russland 2011; Regie: Alexander Sokurow; Darsteller: Johannes Zeiler (Faust), Anton Adasinskiy (Wucherer), Isolda Dychauk (Margarete); 138 Minuten; FSK 16

Kinostart: 19. Januar

Lesen Sie hier ein Interview mit dem Regisseur: Alexander Sokurow im Gespräch

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