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„Fernes Land“ im Kino

Fernes Land

Zu Beginn hält Mark, der Versicherungsmakler, der eigentlich lieber Koch in Japan wäre, einen Vortrag über die „Umwandlung der Angst in positive Energie“. Zunächst scheint es so, als wäre damit auch das (Über-)Lebensprinzip der illegalen Immigranten beschrieben, in deren fremde Parallelwelt er eintaucht, als ihm in einer Winternacht der junge Pakistani Haroon vors Auto läuft. Der träumt von einem Friseursalon in Deutschland und braucht dazu einen Pass.
Während ihrer gemeinsamen Fahrt durch die Nacht lässt Mark Wunsch und Realität seines nach einem gescheiterten Heiratsantrag in eine Sackgasse geratenen Lebens Revue passieren. Schließlich gelangt er zu der Einsicht, dass er nicht länger mit den Ängsten anderer handeln sollte. Das durchaus vorhandene komische Potenzial vieler Situationen wird nur beiläufig registriert, was zusammen mit einigen dramaturgischen Schwächen in der zweiten Hälfte zu einer gewissen Ermüdung führt. Trotzdem ist Kanwal Sethi mit „Fernes Land“ ein atmosphärisch dichter und engagierter Debütfilm gelungen, der sein Thema ohne Vorbehalte und mit neugierigem Blick auf die Feinmechanik von Nähe und Differenz betrachtet.

Text: Stella Donata Haag

Foto: Missing Films

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Fernes Land“ im Kino in Berlin

Fernes Land, Deutschland 2011; Regie: Kanwal Sethi; Darsteller: Christoph Franken (Mark), Atta Yaqub (Haroon), Karina Plachetka (Nina); 88 Minuten; FSK k.A.

Kinostart: 2. Februar

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