Kommentar

„Ferngesteuert“ von Bert Rebhandl

Letzte Woche stand ich in Toronto während des Filmfestivals in einem Multiplex vor einem Saal und wartete auf einen neuen Film mit Jessica Chastain. „Woman Walks Ahead“, ein Western, auf den ich aus guten Gründen sehr neugierig war. Aber er kam nicht.

Bert Rebhandl

Zuerst ließ man uns eine halbe Stunde lang dumm herumstehen, schließlich gab es die ersten Andeutungen: „kein Bild auf der Leinwand“. Und dann kam eine ­interessante Ergänzung: „Sie arbeiten dran – von Kalifornien aus.“
Das Problem lag offensichtlich in Toronto, für die Lösung aber brauchte es Techniker, die ganz woanders saßen. Das erzählt uns eine Menge über die Veränderungen, von denen auch das Kino längst betroffen ist. In allen Bereichen tendiert die Technik zu „ferngesteuerten“ Lösungen, ob das nun der Kühlschrank sein wird oder das selbstfahrende Auto. Früher einmal war das Kino das Gegenteil des Fernsehens, weil es nicht auf einem Signal ­basierte, sondern auf der Auslieferung von „leibhaftigen“ Kopien. Inzwischen weiß niemand mehr, wo der Film eigentlich ist, wenn kein Bild auf der Leinwand erscheint.
In Kalifornien wussten sie es ­offensichtlich auch nicht, denn die Vorstellung wurde schließlich „gestrichen“ – „cancelled“. Ich war um einen Film ärmer, aber um eine Erfahrung mit dem Kino reicher.

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