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Festivalleiter Santiago Gуmez Rojas über das Spanische Filmfest

santiagoSantiago Gуmez Rojas (links) und Regisseur Kike Maillo beim Festivaldebüt 2012 im Moviemento. 

Ihr habt in diesem Jahr euer Programm ziemlich aufgestockt. Und ihr zeigt Filme aus Kolumbien. Die hätte man bei einem spanischen Filmfest nicht erwartet. ?
Stimmt. Wir zeigen in diesem Jahr über 20 Langfilme und dazu drei Kurzfilmprogramme. Die kolumbianischen Filme zeigen wir in unserer neuen Sektion „Mit anderen Akzenten“. Ich habe im letzten Jahr häufig die Frage gestellt bekommen, warum wir keine Filme aus Lateinamerika zeigen. Wir sind aber nun mal ein spanisches Filmfest. Filme aus Südamerika haben eine andere Ästhetik, eine andere Narration und andere Themen. Aber Südamerika ist durch seine Geschichte mit Spanien verbunden. Wir haben uns also gefragt, ob wir uns nicht einfach Möglichkeiten offenhalten sollten. Spanisch wird überall gesprochen. Es gibt aber genau genommen keine unterschiedlichen Dialekte sondern „nur“ andere Akzente. Und hier haben wir mit unserer Filmauswahl angesetzt.

Die spanischsprechende Community ist in Berlin unübersehbar. Wie sehen eure Zuschauer aus??
Wenn ich durch Kreuzberg laufe, bin ich immer wieder erstaunt, wie viel Spanisch man auf der Straße mittlerweile hört.  Aber Spanien ist in Deutschland vor allem als Reiseland bekannt. Und für die Partys … Aber mein Land besitzt viele Aspekte, die in Deutschland unbekannt sind. Darin steckt die Grundidee des Festivals: Wir wollen zeigen, welche Facetten es gibt. Und wir wollen einen Raum schaffen, in dem Menschen sich austauschen und miteinander diskutieren. Insofern richtet sich unser Festival an Deutsche und Spanier.

Kannst Du mir etwas zu deinem Hintergrund erzählen? Wie bist Du Festivaldirektor geworden? ?
Ich bin Politologe und gleichzeitig als Regisseur tätig. Du siehst die Verbindung? (lacht) Ich habe in Spanien lange in der Filmbranche gearbeitet. Aber dort ist es gerade nicht ganz einfach. Die Filmindustrie wie auch die gesamte Kulturlandschaft leidet sehr unter der Finanzkrise.

Gibt es in Spanien eine ähnliche Filmförderung wie in Deutschland??
Natürlich gibt es eine, aber deren Finanzrahmen ist gerade durch die Finanzkrise sehr geschrumpft. Die Filmförderung ist aber nicht vergleichbar mit der in Deutschland. Sie fokussiert hauptsächlich auf die Produktion von Filmen – also weniger auf den Verleih oder etwa Filmfestivals. Die direkte Kinoförderung ist sehr gering. In Spanien kommen viele Gelder vom Instituto de la Cinematografa y de las Artes Audiovisuales, bei dem es keine konsequente Trennung zwischen Filmförderung, Verleih oder ganz aktuell der Kinodigitalisierung gibt.

Sind die Kinos direkt von der Finanzkrise betroffen??
Ja. In Spanien wurde die Mehrwertsteuer erhört und in den vergangenen Jahren sind die Eintrittskarten sehr teuer geworden. Das hat dazu geführt, dass viele Kinos schließen mussten. Es gibt aber noch ein weiteres Problem: Mit der Kürzung von Fördergeldern, die immer noch anhält, bekommen viele Filmproduktionen, die ihr Geld schon bewilligt hatten, entweder kein Geld oder sehr verspätet. Viele Produzenten haben aber bereits Kredite laufen und kommen dadurch in Schwierigkeiten. Es ist gerade sehr chaotisch.

losilusosDennoch werden immer noch viele Filme produziert, die auch im Ausland ein großes Publikum erreichen. ?
Wir eröffnen mit „Blancanieves“, der im letzten Jahr einer der besten spanischen Filme war und auch der offizielle Beitrag Spaniens für die Oscars war. Wir freuen uns sehr, dass der Regisseur, Pablo Berger, beim Festival anwesend sein wird. Dazu wird Jonбs Trueba seinen Film „Los Ilusos“ vorstellen. Ebenfalls toll und auch, wie „Blancanieves“, ein Schwarzweißfilm.

Die beiden Filme treffen sich auf einer interessanten Ebene. Beide sprechen über das Kino. „Blancanieves“ geht zurück zum Anfang, zu dem Aufbruch in eine neue Kunstform, „Los Ilusos“ spricht über das Sterben eben dieser … ?
Jonбs Truebas Film ist ein Spiel mit den Filmtechniken und sehr nachdenklich in seiner Art. Mich erinnert er an die Filme der Nouvelle Vague. Gerade mit der Digitalisierung von Filmen ist das Kino nicht mehr richtig fassbar. 35 Millimeter, Videokassetten und DVDs sind physische Träger. Das Digitale ist viel weniger konkret. “Los Ilusos” ist ein Film über den Wunsch, Filme zu machen, ein bisschen intellektuell, aber nicht langweilig. Er könnte gut dazu dienen, Filmstudenten zu erklären, was Filmkunst bedeuten kann.

Nicht nur euer Programm ist in diesem Jahr gewachsen. Ihr bespielt jetzt neben dem Moviemento auch das Babylon Mitte …?
Wir brauchten einfach mehr Platz für die Filme. Ich mag das Moviemento sehr. Hier sind wir geboren. (lacht) Aber nach dem Erfolg im letzten Jahr mussten wir etwas anders machen. Das Moviemento ist leider zu klein. Und das Babylon bot sich einfach an. Wir sind gespannt darauf, wie uns das Publikum dort empfangen wird.
Interview: Martin Daßinnies

Fotos: Lorena dla Cuesta (oben) Spanisches Filmfest Berlin

Spanisches Filmfest Berlin 18. bis 24. November, Kino Babylon und Moviemento; Programm unter www.sffberlin.de

Dieses Interview erschien mit freundlicher Genehmigung von www.berliner-filmfestivals.de

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