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„Fidai“ im Kino

Fidai

Freiheitskämpfe geraten in Vergessenheit, wenn aus der Freiheit hinterher nichts richtig gemacht wird. In Algerien tritt ein zehnjähriges Mädchen vor die Kamera und sagt: „Die Revolution sagt mir nichts.“ Dabei war ein prominentes Mitglied der eigenen Familie an dieser Revolution beteiligt: Med El Hadi Benadouda, der Großonkel von Damien Onouri, der nun über ihn einen Film gemacht hat. Der Titel bezieht sich auf die Rolle, die El Hadi um 1960 im französischen Clermont-Ferrand eingenommen hat: Er war ein Fidai, eine besondere Form der Mujahedin, die viel mit dem gemein hat, was man später als Stadtguerilla bezeichnet hat. Die Ereignisse von damals liegen nun viele Jahre zurück, und es geht in dem Versuch von Onouri, sie noch einmal aufzurollen, ebenso sehr um persönliche Erinnerung wie (implizit) um die Frage, ob es sich denn gelohnt hat. Zu den eindringlichsten Szenen in „Fidai“ gehören die, in denen er die Taten des Onkels nachstellt: an den Originalschauplätzen und mit sich selbst an der Stelle der Opfer. Das sind keine großen „reenactments“, sondern eher späte Zugänge zu lange beschwiegenen Handlungen. Damien Onouri macht mit seinem sensiblen persönlichen Zeitzeugenfilm ein neues Kapitel der Diskussion revolutionärer Gewalt auf,  jenseits von Viktimisierung und Heroisierung.

Text: Bert Rebhandl

Foto: mec film

tip-Bewertung: Sehenswert

Orte und Zeiten: „Fidai“ im Kino in Berlin

Fidai, Frankreich/China/Algerien/Deutschland 2012; Regie: Damien Onouri; 83 Minuten; FSK k. A.

Kinostart: 16. Mai

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