Satire

„Fikkefuchs“ im Kino

Geschlechterkrampf: Jan Henrik Stahlberg ist der selbsternannte „Fikkefuchs“

Alamode Film

Richard „Rocky“ Ockers hat gerade eine ­Dürreperiode. Er war einmal sexuell sehr ­erfolgreich, inzwischen aber lichtet sich am Hinterkopf sein Haar. Da kann es schon einmal vorkommen, dass er auch nachts um 3 Uhr auf der Resterampe in Berlin-Mitte niemanden mehr abbekommt. Zumal sich ihm ein junger Mann angeschlossen hat, der fest davon überzeugt ist, dass Berlin „die umtriebigste Stadt“ ist – aber nie dort, wo er sich gerade Hoffnungen auf eine Eroberung macht. Der junge Mann behauptet auch, er wäre der Sohn von Rocky, „mit Gudrun aus Wuppertal“.

Zwei verhinderte Pickup-Künstler, die von Bukkake träumen, das ist im Wesentlichen die Geschichte von „Fikkefuchs“, dem neuen Film von Jan Henrik Stahlberg („Muxmäuschenstill“). Wer noch nie das Wort Bukkake gehört hat, oder Michel Houellebecq eher eklig ­findet, sollte „Fikkefuchs“ besser meiden. Und auch sonst ist nicht ganz leicht nachvollziehbar, welches ­Publikum hier eigentlich gemeint sein könnte – am ehesten man an Therapiegruppen von Sexsüchtigen. Das deutet sich in einem Monolog von Rocky über das schnelle Abfallen des Glücksgefühls nach dem Höhepunkt an.

Stahlberg, der Experte für alles Hochnotpeinliche im deutschen Kino, in der Hauptrolle und Franz Rogowski als sein Sohn Thorben geben ein schonungslos jämmerliches Bild, gipfelnd in einer Szene, in der Thorben bei einem Gangbang der Frau unterstellt, sie spiele ihre Lust nur vor: „Du bist ne Nutte!“ Als Thorben dann selber nicht mehr anders kann als mit einer Prostituierten „umtriebig“ zu werden, macht Stahlberg daraus eine minutenlange Balgerei mit einer schwabbeligen Dame zu gut ausgesuchter Musik. Das nennt man dann entweder Tabubruch oder Katharsis, und das alles in der schon aus „Muxmäuschenstill“ bekannten Borat-Ästhetik. Vielleicht kann man die merkwürdigen Ironien von „Fikkefuchs“ ja so weit drehen, dass man das auch als einen revolutionären Film über eine hypersexua­lisierte Gesellschaft sehen kann, mit Stahlberg selbst in der (Opfer)Rolle eines Mannes, der alles das auszubaden hat, was das Altern einem narzisstisch gestörten Orgasmusjäger halt so bringt. Ist aber wohl doch eher einfach ein Armutszeugnis.

Fikkefuchs D 2017, 101 Min., R: Jan Henrik Stahlberg, D: Jan Henrik Stahlberg, Franz Rogowski, Start: 16.11.

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