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Film und Ausstellung: „Tardi – Schwarz auf Weiß“

Tardi - Schwarz auf Weiß

„Tardi – Schwarz auf Weiß“ ist der Glücksfall einer konzentrierten Dokumentation über künstlerische Schaffensprozesse. Der 2006 entstandene, knapp 50 Minuten dauernde Film ist nun im Rahmen der Tardi-Ausstellung des Literarischen Colloquiums in Berliner Kinos zu sehen. Renй Tardi arbeitete zu der Zeit, in der Pierre-Andrй Sauvageot ihn beobachtete, an drei Projekten: „Killer stellen sich vor“, „Das Geheimnis des Würgers“ sowie am Comic „Grabenkrieg“, der die Aufzeichnungen seines Vaters aus dem Ersten Weltkrieg in eine zeichnerisch-erzählerische Form bringt.
Der Film zeigt die Arbeit eines Handwerkers, der seine kreativen Mittel penibel nutzt und zugleich weiß, sie im kommentierenden Sprechen zu reflektieren. Tardis Auswahl der erzählerischen Momente, die im Comic-Kader aufscheinen sollen, zeigt sich beispielsweise bei der Arbeit an „Das Geheimnis des Würgers“. Für die 1959 spielende Handlung sucht er nach Material, das den Geist der Kriminalromanvorlage evoziert. So gelangt Tardi zu einem der trostlosen Vorstadtkriminalfilme von Henri Verneuil, „Der Weg ins Verderben“ (1956), und findet darin eine Einstellung mit Jean Gabin in einer schmucklosen Kneipe. Wie sich Gabin da mit der rechten Hand am Tresen festhält, wird für Tardi zu einer spezifischen, die Welt der Kleinganoven der 50er-Jahre indizierenden Geste.
Der Film begleitet Tardi auch auf Recherche-Spaziergängen in Pariser Stadtviertel. Deren architektonischen Besonderheiten – die Form von Treppengeländern und Mauervorsprüngen, die Anzahl der Quadersteine einer Fassade – werden von Tardi mit Fotos dokumentiert, die später Eingang in die präzisen Tableaus finden. Die Detailgenauigkeit der Hintergründe, Tardis quasidokumentarischer Zugang schaffen eine verortbare Erkennbarkeit. Zugleich wird dabei verbrauchte, historische Zeit wiedererlangt und mit der Atmosphäre und dem Flair vergangener Stimmungen aufgeladen.

Text: Michael Baute

Foto: Sabcat Media

Tardi – Schwarz auf Weiß, ?ab 16. Januar im Lichtblick und im Moviemento, Ausstellungseröffnung „Tardi“ am 15. Januar im Literarischen Colloquium Berlin; weitere ?Veranstaltungen zum Thema unter www.lcb.de

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