Kino & Stream

Filme über die RAF

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Wie baue ich einen Molotow-Cocktail? von Holger Meins (1968)
Anleitung zum gewaltsamen Widerstand: Der kurze Agitprop-Film von Holger Meins, der an der dffb studiert hatte und später als Märtyrer der RAF idolisiert wurde, rief unverblümt zu Anschlägen gegen den Springer-Konzern auf – lange galt das Werk als verschollen, vor einigen Jahren wurde es rekonstruiert.

Deutschland im Herbst
von Rainer Werner Fassbinder, Alexander Kluge, Edgar Reitz, Volker Schlöndorff u.a. (1978)
Filmkunst als Zeitgenossenschaft: Die großen Vertreter des Neuen Deutschen Kinos reagieren auf die Selbstmorde von Stammheim, die Ermordung von Schleyer, die Gefahr des Ausnahmezustands. Rainer Werner Fassbinder telefoniert mit seiner Mutter, Alexander Kluge filmt den Staatsakt für Schleyer (siehe auch Interview mit Kluge auf Seite 32).

Die bleierne Zeit von Margarethe von Trotta (1981)
Jutta Lampe und Barbara Sukowa spielen zwei Pastorentöchter, die Verhältnisse verändern wollen, in der Wahl der Mittel liegen die Unterschiede: eine Meditation über Gudrun Ensslin aus der Sicht ihrer Schwester.

Wundkanal
von Thomas Harlan (1984)
Der vielleicht kontroverseste Film über den RAF-Komplex handelt von der Frage: Was ist Terrorismus? Thomas Harlan zieht, wie so viele Linke seiner Generation, eine Parallele zwischen dem NS-Regime und dem Staat von Stammheim. Vier Sympathisanten der RAF entführen Dr. Albert Filbert, ehemals Anführer des SS-EK 9, „einer der ganz großen Mörder des Dritten Reichs“. Sie setzen ihn in einem Spiegelkabinett fest und besprechen die Selbstmorde von Stammheim. Robert Kramer drehte dazu den unumgänglichen Dokumentarfilm „Unser Nazi“.

Die Reise
von Markus Imhoof (1986)
Bernward Vespers Buch „Die Reise“ ist einer der Schlüsseltexte über die Generation von 1968, über das Abgleiten in Gewalt und Realitätsverlust. Vesper, Sohn eines nationalsozialistischen Dichters, war der Lebensgefährte von Gudrun Ensslin, bevor sie Andreas Baader kennenlernte. Er wurde nicht zum Terroristen, 1971 nahm er sich in einer psychiatrischen Klinik in Hamburg das Leben. „Die Reise“ ist Entwicklungsroman und Roadmovie, Drogen-
experiment und politischer Traktat, ein wichtiges Zeugnis über mögliche und unmögliche Alternativen zur Gewalt. Verfilmt mit Markus Boysen in der Hauptrolle.

Stammheim von Reinhard Hauff (1986)
Die Rekonstruktion des Prozesses gegen die Baader-Meinhof-Gruppe als deutsches courtroom drama im Zeichen von Faschismus und Imperialismus. Drehbuch: Stefan Aust.

Todesspiel von Heinrich Breloer (1997)
Fernseh-Dokudrama über den Deutschen Herbst 1977, mit gespielten Szenen und Archivmaterial über die Entführung von Hanns Martin Schleyer und der Lufthansa-Maschine „Landshut“. Setzte eine große Debatte in Gang.

Die Stille nach dem Schuss
von Volker Schlöndorff (2000)
Spielfilm über die RAF-Terroristen, die in der DDR eine neue Existenz aufbauen konnten. Wolfgang Kohlhaase ging bei seinem Drehbuch von der Geschichte Inge Vietts aus, die sich gegen die Darstellung in dem Film verwahrte.

Die innere Sicherheit von Christian Petzold (2000)
Ein Roadmovie über das Leben im Untergrund: Ein Paar kehrt nach Deutschland zurück, die Teenager-Tochter möchte ein richtiges Leben führen, in die Schule gehen, einen festen Wohnsitz haben, nicht mehr fliehen müssen. Die Eltern aber sind ganz in ihren Routinen des Versteckspiels befangen, sie sehen keine Möglichkeit, irgendwo anzukommen, sie können nur immer noch radikaler aussteigen. Einer der besten Filme über die Aporien des Terrorismus.

Black Box BRD
von Andres Veiel (2001)
Andres Veiel führt zwei deutsche Lebensläufe parallel: Alfred Herrhausen, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, fiel 1989 einem Anschlag der RAF zum Opfer. Wolfgangs Grams, RAF-Terrorist der dritten Generation, wurde 1993 in Bad Kleinen von einem Polizisten getötet. Eine Reflexion über Schuld und Geschichte, individuelle Lebensläufe und gemeinsames Erbe, tragische Ironie und gewaltsamen Idealismus.

Text: Bert Rebhandl

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