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Filme zur Weihnachtszeit

Als_der_Weihnachtsmann_vom_Himmel_fielWeihnachten ist ein Fest der Traditionen, in Berlin heißt eine davon „Heilige Sneak-Preview Nacht“. Seit gut zwei Jahrzehnten werden am Heiligabend im Filmtheater am Friedrichshain (früher im Broadway) fünf Arthouse-Produktionen aus dem kommenden Winter-Programm gezeigt, eine überaus beliebte Veranstaltung. Quasi nebenan findet am gleichen Abend auch im International ein Sonderprogramm statt, Marcus H. Rosenmüllers „Sommer der Gaukler“ wird gezeigt sowie ein Überraschungsfilm, dazu gibt es Sekt und ein Weihnachtsbuffet des Restaurants Balthazar. Viel Einsatz für das Kino – zum Fest ist das auch in Berlin eher die Ausnahme. Denn das Publikum ist wankelmütig und gestresst, muss Präsente besorgen, zu Feiern und Abendessen, zur Familie und vielleicht auch auf den Weihnachtsmarkt.

Für Filmfirmen, Verleiher und Kinobetreiber ist Weihnachten immer Ausnahmezustand. Immerhin 48 Filme starten in diesem Jahr zwischen dem 1. Dezember und Heiligabend in Deutschland, klassische Weihnachtsfilme sind darunter wenige, und sie starten früh: Schon seit November sind „Arthur Weihnachtsmann“ von Aardman Animations und Oliver Dieckmanns „Als der Weihnachtsmann vom Himmel fiel“ im Kino, Anfang Dezember folgt „Der Weihnachtsmuffel“, der einen Wettkampf um das beste Krippenspiel zeigt.

Ein konzeptionelles Problem von Filmen mit deutlichem Feiertagsbezug jenseits der Klassiker wie Capras „Ist das Leben nicht schön“ bleibt; Geschichten, die sich konkret um Weihnachtsmann und Tannenbaum drehen, sind eben nur begrenzt halt- und konsumierbar. Und eher schräge Weihnachtsgeschichten wie „Bad Santa“ kommen hierzulande kaum an: Die aktuelle Kiffer-Komödie „A Very Harold & Kumar 3D Christmas“ wird wohl irgendwann nur als DVD nach Deutschland kommen.

happy feet 2Auch das ist ein Trend: Die meisten Xmas-Specials und Weihnachtsfilme finden heute eher in der Heimunterhaltung statt. An die Stelle des traditionellen Familienfilms zum Fest ist im Kino die Bedienung unterschiedlicher Zuschauergruppen gerückt, begonnen beim animierten Kinderfilm: In „Happy Feet 2“ gibt es wieder niedliche Pinguine, „Der gestiefelte Kater“ erzählt eine „Shrek“-Vorgeschichte, und auch die piepsig-schrillen Streifenhörnchen „Alvin und die Chipmunks 3 – Chipbruch“ singen wieder. Nicht animiert, aber für etwas ältere Kinder und ihre Eltern gibt es Christophe Barratiers Neuverfilmung vom „Krieg der Knöpfe.“ Aber es wird auch ganz klar wenig besinnlich gegenprogrammiert. Für eher jugendliche Weihnachtsmuffel gibt es so den Horror-Reißer „Shark Night 3D“ und die blutige Gangster-Geschichte „London Boulevard“, für Vampirfreunde den schon Ende November startenden „Breaking Dawn“ und „Let Me In“, das US-Remake von „So finster die Nacht“. Und spätestens seit dem gewaltigen Erfolg von „Avatar“ vor zwei Jahren glaubt man auch an Blockbuster-Sommer-Kino im Dezember: In „Mission: Impossible – Phantom Protokoll“ gibt Tom Cruise zum vierten Mal den leidensfähigen Geheimagenten Ethan Hunt, Robert Downey Jr. und Jude Law kehren mit „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ zurück.

Branchenkenner glauben, dass die Berliner auch in der Weihnachtszeit ins Kino gehen, wenn man ihnen attraktive Filme bietet. Inzwischen durchläuft das Arthouse-Angebot eigene Zyklen, in denen im Dezember neue Arbeiten von Polanski, Nanni Moretti, eine kurze Geschichte des Vibrators in „In guten Händen“ und George Clooneys fesselndes Polit-Drama „The Ides of March“ auftauchen werden. Aber es muss auch nicht immer ein Film sein: In den UCI-Kinos wird am 22. und 26. Dezember Tschaikowskys Ballett „Der Nussknacker“ gezeigt, die Aufzeichnung einer Aufführung des New York City Ballets. In den Berliner Kinos gibt es ansonsten keine stille Nacht, fast alle Lichtspielhäuser haben auch während der Feiertage geöffnet. Nur Heiligabend sollte man aufpassen, um nicht vor verschlossenen Türen zu stehen: Während in den Multiplexen gegen 15 Uhr die letzten Filme anfangen, beginnen z.B. im fsk die Vorführungen erst ab 20 Uhr, wenn der Weihnachtsstress abgefallen ist.

Text: Thomas Klein

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