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„Amrum“: Fatih Akin erzählt von der Jugend seines Mentors

Text: tipBerlin Filmredaktion
Veröffentlicht am: 08.10.2025
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Hark Bohm, Freund und Mentor von Fatih Akin, kann seinen autobiografischen Roman nicht mehr selbst verfilmen. Nun erzählt der „Tschick“-Regisseur in „Amrum“ dessen Geschichte. tipBerlin-Filmkritiker Michael Meyns findet, diesem Coming-of-Age-Film in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs gelingt das impressionistische Erzählen.

Nanning (Jasper Billerbeck) und Onkel Theo (Matthias Schweighöfer) am Strand der Nordfriesischen Insel Amrum. Foto: Warner Brothers

„Nordsee ist Mordsee“ lautet der Titel eines der schönsten deutschen Filme der 1970er Jahre, gedreht von Hark Bohm. Wenn man bei der Geschichte von zwei Jugendlichen, die aus schwierigen Verhältnissen ausreißen und ein paar Tage Freiheit in den weiten Landschaften Norddeutschlands erleben, an Wolfgang Herrndorfs „Tschick“ denken muss, ist das kein Zufall. Denn den Bestseller verfilmte vor einigen Jahren Fatih Akin, am Drehbuch arbeitete damals eben jener Hark Bohm mit, Akins Freund und Mentor. Nun hat Akin ein Drehbuch von Bohm als Ausgangspunkt für seinen neuen Film „Amrum“ genommen, von dem es im Vorspann heißt: „Ein Hark Bohm Film von Fatih Akin“. Was ganz gut die ungewöhnliche Genese eines Projektes andeutet, das neben manchem anderen vor allem auch ein Freundschaftsdienst ist.

„Amrum“ ist ein Hybrid aus zwei Stimmen

Bohm ist inzwischen 86 Jahre alt, lebt zurückgezogen und hatte nicht mehr die Kraft, seinen vor einigen Jahren erschienenen Roman „Amrum“ selbst zu verfilmen. Das hat nun Akin übernommen, der sich die Geschichte zu eigen macht und den autobiografischen Stoff seines Freundes adaptiert, einen Coming-of-Age-Film in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs. Hauptfigur ist der lose auf Bohms Erfahrungen basierende Nanning (Jasper Billerbeck), der zusammen mit seiner Mutter Hille (Laura Tonke) und zwei kleineren Geschwistern aus Hamburg nach Amrum evakuiert wurde. Der Vater ist ein hohes Tier bei den Nazis, auch die Mutter mag nicht von ihrem Glauben an den Endsieg lassen, ganz anders als etwa die Bäuerin Tessa (Diane Kruger), die defätistisch auf Durchhalteparolen reagiert und längst an die Zeit nach Hitler denkt.

Mit Bezügen zur Gegenwart hat Akin die Geschichte angereichert, einmal tauchen Flüchtlingskinder aus Ostpreußen auf, sprechen mit starkem Dialekt, wollen versorgt werden, sehr zum Unwillen der Alteingesessenen, die ihre Pfründe verteidigen wollen. Als gutes Gewissen steht Nanning zwischen den Fronten, liebt seine Mutter, beginnt aber auch zu ahnen, dass deren Fanatismus mit Ursache für das Leid des Krieges ist. Weniger berserkerhaft als sonst manchmal inszeniert Akin diese Geschichte, lässt sich auf ein loses, impressionistisches Erzählen ein, das man eher von Bohm kennt als vom gerne direkt und drastisch filmenden Akin. Ein Hybrid aus zwei Stimmen ist „Amrum“ am Ende, ein ungewöhnliches filmisches Projekt, das zwei prägende Regisseure des deutschen Kinos zusammenbringt.


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