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Filmkritik

„Bad Luck Banging or Loony Porn“: Der Sieger-Film des Berlinale-Wettbewerbs

Radu Jude, Rumäniens originellster Regisseur, hat mit „Bad Luck Banging or Loony Porn“ eine bösartige Satire über die Heuchelei der neuen rumänischen Mittelschicht gedreht. Sein Film schickt Grüße aus der pandemischen Gegenwart – und hat bei der Berlinale 2021 den Goldenen Bären gewonnen. Unsere Filmkritik.

Verdeckte Gesichter: Szene aus Radu Judes Film „Bad Luck Banging or Loony Porn“, ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären 2021. Foto: Silviu Ghetie/Micro Film 2021
Verdeckte Gesichter: Szene aus Radu Judes Film „Bad Luck Banging or Loony Porn“, ausgezeichnet mit dem Goldenen Bären 2021. Foto: Silviu Ghetie/Micro Film 2021

Darf eine Lehrerin, die in der Schule von den größten Dichtern der rumänischen Nation erzählt, zu Hause ihren Mann oral befriedigen? In einer modernen Gesellschaft sollte sich schon allein diese Frage verbieten, denn es geht niemand etwas an, was jemand im Ehebett oder sonstwo mit jemand anderem in intimem Einvernehmen macht.

„Bad Luck Banging or Loony Porn“: Ein Sexvideo als Skandal

Heikel wird die Sache allerdings, wenn ein Video auftaucht, auf dem Emilia, Unterrichtsfach: Geschichte, beim Sex zu sehen ist. Reicht es dann auch noch, sich auf das Recht auf Privatsphäre zu berufen? Radu Jude hat seinen Film „Bad Luck Banging or Loony Porn“ in vier Teile unterteilt. Vorneweg steht das angesprochene Video in all seiner Explizitheit, danach sehen wir Emilia eine ganze Weile zu Fuß durch die Stadt gehen.

Es folgt ein eigentümlicher Mittelteil, eine Art Lexikon von Anekdoten und Begriffe, vielfach mit nationalmythologischem Bezug und Bildmaterial aus diversesten Archiven.

Grüße aus der pandemischen Gegenwart

Letzter Teil des Films und Höhepunkt ist eine Besprechung der Eltern, deren Kinder von Emilia unterrichtet werden. Sie sollen schließlich darüber abstimmen, ob sie als Lehrerin weiter tragbar ist. Diese Sitzung wurde im Sommer vergangenen Jahres unter Corona-Bedingungen gedreht, also im Freien und mit Maske, wobei die verschiedenen Mund-Nasen-Schutze ein Gag für sich sind: Niemand trägt einfach nur ein medizinisch neutrales Teil, alle haben irgendeine Botschaft, zum Beispiel „I Can’t Breathe“, was dann wohl nicht auf Black Lives Matter gemünzt ist, sondern auf covidische Besserwisserei.

"Bad Luck Banging or Loony Porn" blendet die Pandemie nicht aus, sondern nutzt Masken als Stilmittel. Foto: Silviu Ghetie/Micro Film 2021
„Bad Luck Banging or Loony Porn“ blendet die Pandemie nicht aus, sondern nutzt Masken als Stilmittel. Foto: Silviu Ghetie/Micro Film 2021

Radu Jude gehört bei der Berlinale zu den Stammgästen, und zwar mit Filmen, die vor Originalität nur so sprühen. Mal hält er sich an alte Formeln des Kinos, wie in den Tiefebenen-„Western“ „Aferim!“, mal rüttelt er an an allen rumänischen Geschichtslügen gleichzeitig („Mir ist es egal, wenn wir als Barbaren in die Geschichte eingehen“).

Und mal macht er einen schnellen, bösen, satirischen Film, in dem er die Heuchelei derer bloßstellt, die es in Rumänien in die neue Mittelschicht geschafft haben: „Bad Luck Banging or Loony Porn“.

Bad Luck Banging or Loony Porn Rumänien 2021; 106 Min.; R: Radu Jude; D: Katia Pascariu u.a.


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