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„Bugonia“ von Yorgos Lanthimos: Bissig, grausam, durchgeknallt

In seinem neuen Film „Bugonia“ setzt Yorgos Lanthimos abermals auf Jesse Plemons und Oscarpreisträgerin Emma Stone („Poor Things“). Die Science-Fiction-Groteske lässt keinen bizarren Einfall aus, ist aber melancholischer, als man es vom Regisseur gewohnt ist, findet tipBerlin-Kritikerin Pamela Jahn.

Emma Stone spielt eine Hauptrolle in Lanthimos’ Groteske „Bugonia“. Foto: Atsushi Nishijima/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.
Emma Stone spielt eine Hauptrolle in Lanthimos’ Groteske „Bugonia“. Foto: Atsushi Nishijima/Focus Features © 2025 All Rights Reserved.

Eines vorweg: Man muss das Original nicht kennen, wahrscheinlich ist es sogar von Vorteil, wenn man die südkoreanische Science-Fiction-Satire „Save the Green Planet!“ (2003) nicht gesehen hat, auf der „Bugonia“ basiert. Dann funktioniert das aufpolierte Hollywood-Remake von Yorgos Lanthimos umso besser. Als eigenständiges, modernes Gesellschaftsstück – bissig, grausam und durchgeknallt.

„Bugonia“ wirkt wie eine weitere Episode des düster-komischen Triptychons „Kinds of Kindness“

Jesse Plemons spielt den leidenschaftlichen Imker Teddy, der sich zutiefst um den merklichen Rückgang der Honigbienenpopulation sorgt. Die Schuld an der Umweltzerstörung sieht er bei einem Biotech-Konzern, der mit straffer Hand von der kaltblütigen Power-Frau Michelle Fuller (Emma Stone) geleitet wird. Ihr Unternehmen hat auch Teddys Mutter (Alicia Silverstone) mit dubiosen Opioid-Entzugsmedikamenten ins Dauer-Koma versetzt. Und noch fataler: Seine akribischen Recherchen im Internet haben ergeben, dass die toughe Geschäftsfrau in Wirklichkeit eine verkappte Außerirdische ist.

Lanthimos lässt auch diesmal keinen bizarren Einfall und keine makabre Pointe aus. Manchmal wirkt „Bugonia“ wie eine weitere Episode seines düster-komischen Triptychons „Kinds of Kindness“. Dass Stone und Plemons erneut die Besetzung anführen, bestärkt den Gedanken. Was hier jedoch überrascht, ist ein stärker als bisher anklingender melancholischer Unterton – ein vernehmliches Klagen darüber, dass die Menschheit offenbar nicht anders kann, als sich immer wieder selbst zu ruinieren.

  • Bugonia USA/Irland/Süd-Korea 2025; 117 Min.; R: Yorgos Lanthimos; D: Jesse Plemons, Emma Stone, Alicia Silverstone; Kinostart: 30.10.2025

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