Von Fans lange herbeigesehnt, von Kritikern argwöhnisch beäugt: Mit „Das Kanu des Manitu“ bringt Michael Bully Herbig die Fortsetzung des erfolgreichsten deutschen Films überhaupt ins Kino – allen Debatten um kulturelle Aneignung und Political Correctness zum Trotz. tipBerlin-Kritikerin Paula Schöber hat sich die Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ angeschaut. Ob die kontroversen Gags um Abahachi, Ranger und Winnetouch heute noch funktionieren, lest ihr hier.

„Das Kanu des Manitu“ ist die Fortsetzung des erfolgreichsten deutschen Films überhaupt
Sie konnten es nicht lassen: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian, die drei Bayern aus der Bullyparade, mussten den Klappstuhl einfach wieder ausgraben, nach fast einem Vierteljahrhundert. Mit „Das Kanu des Manitu“ bringen sie jetzt die Fortsetzung des erfolgreichsten deutschen Films überhaupt in die Kinos: Die Western-Parodie „Der Schuh des Manitu“ zog 2001 über elf Millionen Besucher an, der Film hielt sich über ein Jahr lang auf den Spielplänen, und viele Sätze wie “Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden” oder “Langsam, Jacqueline, sonst kotzt du wieder” wanderten ins kollektive deutsche Kulturgut. Nach dem Riesen-Erfolg vor 24 Jahren warteten viele Fans sehnsüchtig auf eine Fortsetzung, wurden aber bloß 2004 mit „T(R)aumschiff Surprise – Periode Eins“ vertröstet.
Irgendwann aber verebbten die Rufe nach einem zweiten Teil. Unter anderem deshalb, weil sich die Welt seit der Jahrtausendwende weitergedreht, sich der Zeitgeist geändert hat und in den vergangenen zehn Jahren wichtige gesellschaftliche Debatten um Kolonialismus-Aufarbeitung, Rassismus und queere Repräsentation angestoßen wurden. Diese Debatten um Cancel Culture und kulturelle Aneignung, Stichwort „Winnetou-Debatte”, wurden alles andere als ruhig und konstruktiv geführt. Aber den meisten Beteiligten an diesen Diskursen war klar: Einen Film wie „Der Schuh des Manitu“ könnte man (so) inzwischen nicht mehr machen. Doch der Wind scheint sich wieder gedreht zu haben, die Welt bewegt sich mit Donald Trump, Friedrich Merz und Co. zurück zu einem heimeligen Konservatismus.

Da überrascht es fast gar nicht mehr, dass jetzt, 24 Jahre später, die Fortsetzung eines Films ins Kino kommt, der exemplarisch für die Beschreibung “schlecht gealtert” steht. Ja, Fortsetzungen und Remakes längst vergangener Komödien-Klassiker wie zuletzt „Die nackte Kanone” liegen gerade im Trend, aber das heißt noch lange nicht, dass es eine gute Idee ist, einfach alte Kamellen aufzuwärmen, nur weil sie früher einmal lustig waren. Dementsprechend heiß wurde „Das Kanu des Manitu“ vor seinem Filmstart diskutiert. Wie ist nun also die Fortsetzung von „Der Schuh des Manitu“ geworden, einem Film, von dem Bully Herbig vor einigen Jahren im Interview sagte, er würde ihn aus Angst vor der „Comedy-Polizei“ so nicht mehr machen?
„Das Kanu des Manitu“ macht da weiter, wo „Der Schuh des Manitu“ vor fast 25 Jahren aufhörte
Natürlich macht „Das Kanu des Manitu“ nicht annähernd so viele Witze auf dem Rücken von Minderheiten wie sein Vorgänger, natürlich mussten sich Herbig, Tramitz und Kavanian beim Drehbuchschreiben an den Zeitgeist anpassen. Allerdings sind Form und Inhalt nicht besonders innovativ: Der Film steigt ziemlich genau da ein, wo „Der Schuh des Manitu“ aufhörte, nur eben ein Vierteljahrhundert später. Der Apachen-Häuptling Abahachi (Michael Bully Herbig) und sein weißer Blutsbruder Ranger (Christian Tramitz) feiern silberne Blutsbrüderschaft und stecken mal wieder in Schwierigkeiten: Wie schon im ersten Teil hängt ihnen eine siebenköpfige Schurken-Bande diverse Verbrechen an, um an das sagenumwobene Kanu des Manitu zu gelangen. Nur Abahachi weiß, wo und wie man dieses Boot, das unsterblich machen soll, findet. So weit die Ausgangslage, von der aus sich der wie gewohnt dünne Plot, angedickt mit zahlreichen Gags, gar nicht mal so blöden Wortspielen und Slapstick-Einlagen, entspinnt.

Im Manituversum kriegen die Winnetou- und Old Shatterhand-Parodien Abahachi und Ranger wieder Gesellschaft von ihrem treuen Freund Dimitri (Rick Kavanian), dem griechischen Cowboy mit einer sympathischen Sprachstörung, der inzwischen mit seinem Tavernen-Business im Wilden Westen expandiert ist und seine zweite Ouzo-Kneipe eröffnet, sowie natürlich von Abahachis schwulem Zwillingsbruder Winnetouch. Sogar der 78-jährige Sky du Mont kommt für einen kurzen Auftritt als ikonischer Bösewicht Santa Maria ein letztes Mal auf die Leinwand zurück.
Im „Kanu des Manitu“ werden weiterhin alle möglichen Kulturen persifliert, allerdings merklich weniger als im ersten Teil. Die Schoschonen – ihrerzeit als trotteliger Native-American-Stamm verlacht – kommen gar nicht mehr vor (so witzig deren Fred Feuersteinschen Erfindungen wie die Pfeil-Anspitz-Maschine oder ikonische Sprüche wie “Wir interessieren uns für Ihr krasses Pferd” waren, so problematisch war ihre Darstellung als primitives und naives Ureinwohner-Volk). Um dem Publikum zu beweisen, wie woke man ist, sagt Michael Bully Herbig als Abahachi pflichtschuldig alle zwei Minuten den Satz “Sagen’s bitte nicht Indianer!”, trägt aber genau das gleiche stereotype Kostüm wie vor 24 Jahren. Auch die Rolle des allzeit gut gelaunten Griechen Dimitri gewinnt nicht an Tiefe hinzu; vielmehr reiten die Macher permanent auf dessen Liebe zum Ouzo herum.

Dafür ist das neuhinzugekommene Ensemble sichtlich (und auch ein bisschen pflichtschuldig) diverser aufgestellt: Die Gangster-Bande wird von einer toughen Girl Boss (Jessica Schwarz) angeführt, die, anders als „die Uschi“, nicht bloß als Sexobjekt ihren Platz im Film hat. Außerdem ist ein Bandenmitglied Schwarz, ein anderer Schurke wird vom deutsch-vietnamesischen Comedian Tutty Tran verkörpert, und ein Gangster hat ein Holzbein. Außerdem wird das Abenteurer-Ensemble durch die belesene Mary (Jasmin Schwiers) erweitert, die den doch recht doofen Männern regelmäßig aus der Patsche hilft.
„Das Kanu des Manitu“ versucht, sich von Rassismus- und Queerfeindlichkeitsvorwürfen reinzuwaschen
Die hochproblematische Figur des Prosecco-liebenden Winnetouch bekommt deutlich weniger screen time und verkörpert nun nicht mehr jedes erdenkliche Klischee über schwule Männer. Aus Winnetouchs „Puder Rosa Ranch” ist eine „Rumba Ranch” geworden, in der er, immer noch im rosa-perligen Kostüm, „fancy dancing und fencing“-Kurse anbietet. Hier ist wohl wenigstens ein bisschen von der Homophobie-Kritik zu den „Manitu“-Machern durchgedrungen, auch wenn Bully Herbig in Interviews immer wieder betont, er habe viele schwule Freunde, die die klischeereiche Karikatur eines schwulen Mannes sehr wohl lustig und unproblematisch fänden. Andere queere Charaktere sucht man im „Kanu des Manitu“ aber vergeblich; die einzige kritische Überarbeitung des Originals besteht in einer Dämpfung des abwertend überzeichneten schwulen Klischees von Winnetouchs Figur.
So geht „Das Kanu des Manitu“ nicht wirklich über den Versuch hinaus, sich von Rassismus- und Queerfeindlichkeitsvorwürfen reinzuwaschen. Herbig, Tramitz und Kavanian machen es sich am Schluss doch sehr einfach, wenn sie den ganzen Konflikt um kulturelle Aneignung und Abwertung der Native Americans mit einem Plottwist auflösen, der kaum überrascht und Kritikern schlicht ein „Wir haben uns alle lieb, egal wo wir herkommen” entgegenschleudert. Dass die Realität von Native Americans und anderen Minderheiten ganz anders aussieht, wird dabei völlig ausgeblendet.
Sie können es wohl alle nicht lassen, die alten weißen Männer: Stefan Raab konnte es nicht lassen, Thomas Gottschalk konnte es nicht lassen, und das Bullyparade-Dreiergespann hat sich von dieser rückwärtsgewandten Energie wohl anstecken lassen. Fehlt nur noch, dass Erkan und Stefan wiederauferstehen, dann wäre das Update zurück in die Jahrtausendwende perfekt. Vielleicht ist es die Sehnsucht, sich in politisch aufgeladenen Zeiten einfach mal abzulenken und sich scheinbar gefahrlos zu amüsieren. Doch die Welt hat sich weitergedreht, sie hat sich sogar in ein ganz schön schlimmes Chaos hineingedreht. Und da kommt man nun mal leider nicht raus, indem man sich gedanklich in die frühen 2000er zurückbeamt.
„Das Kanu des Manitu“ ist nicht ganz so schlimm geworden, wie viele Kritiker es – zurecht – befürchtet hatten, und hin und wieder entfährt selbst dem härtesten und wokesten Kritiker im Kino ein kleines, leises Lachen. Aber es ist schlimm genug, dass Bully und Konsorten ihre verstaubten Kostüme und Kamellen ausgegraben haben, die sehr viel besser zusammen mit dem Klappstuhl der Schoschonen im Wüstensand hätten vergraben bleiben sollen.
- Das Kanu des Manitu Deutschland 2025, 88 Min., R: Michael Bully Herbig, D: Michael Bully Herbig, Christian Tramitz, Rick Kavanian, Kinostart: 14.8.
Auch dieser Klassiker wurde neu verfilmt: „Die nackte Kanone“ mit Liam Neeson in der Kritik. Mit „The Fantastic Four: First Steps“ ist die zweite Neuverfilmung geglückt. „#SchwarzeSchafe“ folgt auf den Berliner Kult-Film. In „Superman“ wird eine beliebte Geschichte neu erzählt. „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ und „M3GAN 2.0.“ sind ebenfalls gelungene Fortsetzungen. Ein berührender Film über Trauern mit Tier: Der Star in „Loyal Friend“ ist ein Hund. Unser Kritiker ist begeistert: „Der phönizische Meisterstreich“ ist einer der besten Wes-Anderson-Filme. Er baut die Filmwelten von Wes Anderson: Zu Besuch in der Neuköllner Werkstatt des Miniaturbauers Simon Weisse. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Unter freiem Himmel: Was in den Freiluftkinos in Berlin läuft, seht ihr hier. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.

