„Die nackte Kanone“: Kann die Neuverfilmung mithalten?
Nach 37 Jahren erhält der Comedy Klassiker nun auch sein Reboot. Oder ist es vielleicht sogar ein Upgrade? Unser Kritiker Frank Arnold findet, Liam Neeson und Pamela Anderson machen sich in „Die nackte Kanone“ zwar zum Affen, punkten aber auch mit gekonntem Wortwitz.

Der Banküberfall ist in vollem Gange, als ein kleines Mädchen mit einem großen Lolli das Bankgebäude betritt. Sollte das etwa…? Das kann doch wohl nicht sein! Doch, es ist so! (Und wurde leider schon im Trailer verraten.) Mit diesem Auftakt und seiner ziemlich absurden Auflösung steht die Neuauflage von „Die nackte Kanone“ ganz in der Tradition des Originals. Aus der gleichnamigen Fernsehserie 1988 einen Kinofilm zu machen (dem zwei Fortsetzungen folgten), war ein höchst profitabler Schachzug von Paramount Pictures. Als Leutnant Frank Drebin wurde der ewige Nebendarsteller Leslie Nielsen, der bereits 1950 vor der (Fernseh-)Kamera debütierte, damit zu einem Star, der künftighin für jede Parodie – von Mel Brooks‘ „Dracula – tot, aber glücklich“ bis zu äußerst unkomischen Werken – offenbar die Nummer 1 auf der Besetzungsliste war.
Im 2025er-Reboot schlüpft Liam Neeson als Frank Drebin Jr. in die Rolle des Sohnes der von Leslie Nielsen gespielten Figur. Seine Karriere weist eine Parallele zu der von Leslie Nielsen auf: Als Charakterdarsteller erfolgreich, wurde Neeson erst richtig populär, als ihn Luc Besson für „Taken“ in einer Actionrolle besetzte. Glücklicherweise ist seine Figur hier nicht der von Leslie Nielsen komplett nachempfunden, sondern setzt eigene Akzente. Drebins Sohn macht sich zwar auch immer wieder zum Narren, bewahrt dabei aber doch oft Würde – die Melancholie, die ihn kennzeichnet, war Leslie Nielsen, der auf das Verziehen seiner Gesichtszüge setzte, fremd. Wenn wir hier seine Gedanken aus dem Off hören, unterlegt mit einem jazzangehauchten Score, könnte man direkt denken, man befände sich in „Marlowe“, einem in den Vierzigern angesiedelten Detektivfilm, in dem er vor einigen Jahren unter der Regie von Neil Jordan spielte (der ihm einst zum Durchbruch verhalf) – auch dort wurde der Oberbösewicht von Danny Huston verkörpert.
„Die nackte Kanone“: Absurder Humor trifft auf ausgefeilten Wortwitz
In „Die nackte Kanone“ spielt Huston den Industriellen Richard Cane, der sich mit seiner Erfindung eines Elektroautos nicht begnügen will, sondern (mal wieder) nach der Weltherrschaft strebt. Dafür will er bei den Menschen die Kontrollmechanismen ausschalten, so dass sie sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Mit einer ausgewählten Elite wird er sich solange in ein Versteck in der Arktis zurückziehen, um dann später eine neue Menschheit zu schaffen. Seine schurkische Existenz ist von Anfang an kein Geheimnis, ebenso wenig wie die letztlich positive Frauenrolle, die von Ex-„Baywatch“-Star Pamela Anderson mit Talent zur Selbstironie verkörpert wird.
Der absurde visuelle Humor des Originals ist geblieben, hier kulminiert er in einer längeren Szene mit scheinbar explizit sexuellem Inhalt, der aber nur im Auge des Betrachters entsteht. Größeren Raum nimmt hier ausgefeilter Wortwitz ein. Wo der im Original in erster Linie aus dem Falschverstehen einzelner Begriffe entstand, schwingt er sich hier durchaus in die Höhen der sophistication auf, wie man sie aus den Filmen der Marx Brothers kennt. Wie die deutsche Synchronfassung das lösen wird, bleibt abzuwarten, der Film selber lässt jedenfalls hoffen, dass solche Albernheiten, wie einen Schwarzen mit bayerischer Färbung sprechen zu lassen (so in „Airplane“, in dem die „Nackte Kanone“-Macher 1980 ihre Komik vorstellten), heute unterbleiben.
- The Naked Gun; USA 2025; 85 Min.; R: Akiva Schaffer; D: Liam Neeson, Pamela Anderson, Danny Huston, Kevin Durand, Paul Walter Hauser, CCH Pounder; Start: 31.7.
Mit „The Fantastic Four: First Steps“ ist die zweite Neuverfilmung geglückt. „#SchwarzeSchafe“ folgt auf den Berliner Kult-Film. In „Superman“ wird eine beliebte Geschichte neu erzählt. „Jurassic World: Die Wiedergeburt“ und „M3GAN 2.0.“ sind ebenfalls gelungene Fortsetzungen. Ein berührender Film über Trauern mit Tier: Der Star in „Loyal Friend“ ist ein Hund. Abtauchen in die kreativen Paradiese großer Künstler:innen: „Creativo Paradiso: A Creative Renaissance”. Unser Kritiker ist begeistert: „Der phönizische Meisterstreich“ ist einer der besten Wes-Anderson-Filme. Er baut die Filmwelten von Wes Anderson: Zu Besuch in der Neuköllner Werkstatt des Miniaturbauers Simon Weisse. Berlin kann auch symmetrisch und pastellfarben: An diesen Orten sieht die Stadt aus wie in einem Wes Anderson-Film. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Unter freiem Himmel: Was in den Freiluftkinos in Berlin läuft, seht ihr hier. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.