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Filmstarts der Woche: Von „Top Gun: Maverick“ mit Tom Cruise zu „Die Täuschung“

Zwei Jahre steckte Tom Cruise wegen Corona mit „Top Gun: Maverick“ in der Warteschleife. Nun darf er endlich loslegen. Die Fortsetzung des legendären Pilotenfilms aus dem Jahr 1986 macht sich diese Woche auf vielen Leinwänden breit. Darüber hinaus gibt es aber durchaus kleinere Entdeckungen zu machen, zum Beispiel einen Dokumentarfilm über Männer („Das starke Geschlecht“) und das Drama „Maixabel“ von Iciar Bollain. Die Filmstarts der Woche im tipBerlin-Überblick.


Top Gun: Maverick

Filme der Woche: Tom Cruise in „Top Gun: Maverick“ von Joseph Kosinski. Foto: Paramount

ACTION Das Fliegerdrama „Top Gun“ (1986) war ein Meilenstein auf dem Weg von Tom Cruise zum Weltruhm. In wenigen Wochen wird der ewig junge Held 60 Jahre alt, das spornt natürlich an, es allen noch einmal so richtig zu zeigen. Und das gelingt auch ganz formidabel mit „Top Gun: Maverick“, einer Fortsetzung der Pilotensaga. Es würde lächerlich wirken, die alte Garde noch einmal zu versammeln (im Stil der halb ironischen „Expendables“ rund um Sylvester Stallone), aber Cruise hat so ein Comeback von Abgehalfterten auch gar nicht nötig. Er bleibt auch mehr als dreißig Jahre später in der Rolle des Pete „Maverick“ Mitchell unangefochten das Zentrum des Geschehens, umgibt sich aber zugleich mit einer ausgesuchten Riege von jungen Leuten. Dazu dient die einfache erzählerische Konstruktion, dass Pete, der zur militärischen Hierarchie klar auf Distanz geblieben ist, zur Ausbildung einer Pilotenschwadron abgestellt wird, die einen riskanten Einsatz in einem nicht näher definierten fernen Land fliegen soll. Eine Pilotin ist auch darunter, wie auch ein Brillenträger, und andere Diversitätsmarker gibt es auch.

Dieser Krieg braucht keine Feinde mehr: „Top Gun: Maverick“ mit Tom Cruise

Im Zentrum aber stehen zwei weiße Jungstars, die ähnliche Strahlkraft haben sollen wie damals (und heute) Tom Cruise: Miles Teller spielt „Rooster“ (alle Piloten tragen Kosenamen), und Glen Powell den „Hangman“. Der „Hahn“ („Rooster“) sorgt auch noch für eine dramatische erzählerische Verbindung zum ersten „Top Gun“. Für einen Action-Film, der den Luftkampf („dogfight“) und die physischen Extreme dieses Berufs (Mach 10 Geschwindigkeit! 10-G-Druck auf das makellose Gesicht!) verherrlicht, ist „Top Gun: Maverick“ großes populäres amerikanisches Kino, mit all den Kleinigkeiten, an die sowohl Donald Trump wie die politische Mitte anschließen könnten (die Barszenen unter dem Kommando von Jennifer Connelly sind fast so etwas wie ein Gemeinschaftstraum für eine zerrüttete Nation), und, soweit möglich, mit einem feindlosen Krieg.

Die Vorbehalte, die man rückblickend gegen den anscheinenden Militarismus von „Top Gun“ geltend gemacht hat (einen Schlüsselfilm auch der Reagan-Jahre und des Untergangs des Kommunismus), könnte man direkt auch auf „Top Gun: Maverick“ richten, und doch würde man dem Film damit nicht ganz gerecht. Denn Cruise ist nun einmal nicht nur der größte Egotrip des Kinos, sondern auch eine Integrationsfigur, und hier mehr denn je. Bert Rebhandl

USA 2022; 132 Min.; R: Joseph Kosinski; D: Tom Cruise, Miles Teller, Jennifer Connelly; Kinostart: 26.5.


Alles in bester Ordnung

„Alles in bester Ordnung“ von Natja Brunckhorst. Foto: Filmwelt

DRAMA Warum macht es sich eine Frau zum Lesen und Musikhören auf einem Fenstersims im Treppenhaus gemütlich, wo sie doch im selben Gebäude eine Wohnung hat? Die Antwort ist schnell gefunden, wenn dem Zuschauer ein Blick in die Wohnung von Marlen gewährt wird. Darin ist es sehr, sehr eng. Alles ist mit Gegenständen vollgestellt, selbst an den Decken hängt so einiges. Ist Marlen ein Messie? Im Gegensatz zu Messie-Wohnungen stehen hier allerdings weder volle Aschenbecher noch halbleere Flaschen herum – bei Marlen ist alles sauber, zudem säuberlich geordnet. „Ich habe Mitleid mit den Dingen“, erklärt sie. Zu jenen Gegenständen, die aus ihrer eigenen Vergangenheit stammen, hat sie Geschichten zu erzählen. Man versteht Marlen, die von Corinna Harfouch mit Sanftheit, aber auch beharrlicher Entschlossenheit dargestellt wird.

Als es eines Tages in der Wohnung über ihr einen Wasserschaden gibt, ist absehbar, dass in Kürze die Heizungsmonteure auch ihre Wohnung betreten werden. Wird man ihr dann kündigen? Der Mieter der Wohnung über ihr, ein junger Mann namens Fynn, ist das genaue Gegenteil von Marlen, einer der mit 100 Dingen auskommen kann. Insofern fliegen zwischen ihnen bald die (verbalen) Fetzen, erst recht, als er sich in ihrer Wohnung einquartiert. Zwei Menschen mit konträren Lebensentwürfen, das ist immer ein dankbarer Komödienstoff. Natja Brunckhorst erzählt davon in ihrem abendfüllenden Regiedebüt mit feiner, verhaltener Komik, in der stets auch tragische Aspekte angedeutet sind. Frank Arnold

D 2021; 96 Min.; R: Natja Brunckhorst; D: Corinna Harfouch, Daniel Sträßer, Luise Kinner; Kinostart: 26.5.


Die Täuschung

„Die Täuschung“ von John Madden. Foto: Warner

THRILLER Den Feind über die eigenen Pläne zu täuschen, gehört zum Einmaleins des Militärs wie des Geheimdienstes. Manchmal nehmen die Täuschungen dabei solch ungeheure Ausmaße an, dass sie auf den ersten Blick so fantastisch scheinen, als seien sie der Imagination eines Romanautors entsprungen. „Operation Mincemeat“ ist so ein Fall. 1943 ließ der britische Geheimdienst die deutsche Militärführung glauben, dass die alliierte Invasion von Griechenland ausgehen würde und nicht, wie es die Briten planten, von Sizilien.

Ewen Montagu and Charles Cholmondeley heißen die beiden Männer, die trotz offensichtlicher gegenseitiger Vorbehalte den tollkühnen Plan aushecken und in die Tat umsetzen. Dafür benötigen sie die Leiche eines Briten, eine Militäruniform und ein britisches U-Boot. Dass die spanische Polizei die gefälschten Dokumente, die bei der Leiche des am Strand angespülten Navy-Angehörigen gefunden werden, an die verbündeten Deutschen weitergeben wird, ist nur eine von vielen Unwägbarkeiten, mit denen sich die beiden konfrontiert sehen. Das Vergnügen des Zuschauers besteht bei diesem Film darin, zu sehen, wie sich alle Puzzleteile letztlich zusammenfügen.

Der dritte im Bunde der Verschwörer ist übrigens ein gewisser Ian Fleming, besser bekannt als der spätere Autor der „James Bond 007“-Romane und damals ebenfalls Angehöriger des Geheimdienstes. Er wittert schon damals das Potential der Operation und macht sich entsprechende Notizen. Dadurch bekommt der Film etwas Selbstreflexives. Frank Arnold

GB 2021; 128 Min.; R: John Madden; D: Colin Firth, Matthew Macfadyen, Kelly Macdonald, Penelope Wilton, Johnny Flynn; Kinostart: 26.5.


Maixabel – Eine Geschichte von Liebe, Zorn und Hoffnung

„Maixabel“ von Iciar Bollain. Foto: Piffl

DRAMA Es ist eine Hinrichtung, zwei Schüsse in den Hinterkopf eines Mannes, der mit einem anderen Mann in einem Lokal sitzt. Maixabel Lasa, die Ehefrau von Juan Mari Jáuregui, früherer sozialistischer Zivilgouverneur einer baskischen Provinz, hat mit so etwas immer rechnen müssen. Schon ihre Schwester hat ihren Ehemann auf dieselbe Weise verloren. Für ihre halbwüchsige Tochter María dagegen kommt das Ereignis aus dem Nichts.

Wie geht man mit Trauer und Verlust um? Und was soll man machen, wenn elf Jahre später im Rahmen einer öffentlichen Initiative zwei der drei Täter von damals um Verzeihung bitten wollen? Keine leichte Entscheidung für Maixabel, die ihr Engagement damals nicht aufgegeben hat. In einer Initiative setzt sie sich inzwischen für die Opfer des Terrors ein, gegen staatlichen Widerstand nicht nur für die Opfer der ETA, sondern auch für die, die Opfer staatlicher Vergeltungsmaßnahmen wurden.

Vom Attentat im Jahre 2000, mit dem der Film beginnt, bis zum Zusammenkommen am Grab von Juan Mari Jáuregui, mit dem der Film endet, wird der Weg Maixabels verfolgt, ihre große Kraft gezeigt. Aber auch die Vorbehalte ihrer Tochter Maria, die inzwischen selbst ein Kind hat, was Maixabel als Zeichen dafür nimmt, dass der Tod ihres Vaters sie nicht kaputt gemacht hat. Trotzdem sind die Schatten der Vergangenheit noch immer lebendig, so verbietet Maria es ihrer Mutter, am Abend alleine auf die Straße zu gehen, nachdem sie ihren Leibwächter schon in den Feierabend geschickt hat.

Genauso zeigt der Film aber auch die Gegenseite, die Loslösung zuerst von Luis, dann die langsamere von Ibon von der ETA (die erst 2011 den bewaffneten Kampf aufgab), als einen schweren Pfad der Erkenntnis, der im Gespräch mit Maixabel ebenso sichtbar wird wie das, was sie einst dazu brachte, sich der Organisation anzuschließen. Ein Film mit klar umrissenen, auch widersprüchlichen Figuren, der vorrangig auf die Kraft des Dialogs setzt, aber auch mit einigen wortlosen Sequenzen (etwa wenn Ibon mit dem Auto die einstigen Tatorte abfährt) punktet. Ein Film, dessen Darsteller auch ohne große Gesten überzeugen, ein Film, der tief berührt, gerade weil er es nicht nötig hat, Gefühle auszustellen.  Frank Arnold

Spanien 2021; 115 Min.; R: Iciar Bollain; D: Blanca Portillo, Luis Tosar, Maria Cerezuela, Urko Olazabal; Kinostart: 26.5.


Das starke Geschlecht

„Das starke Geschlecht“ von Jonas Rothlaender. Foto: Missing Films

DOKU So wie die Männer da sitzen und frontal in die Kamera blicken, aus deren Richtung mitunter Fragen kommen, erinnert die Situation an ein Verhör. Ein Verhör ist es aber nicht, denn die da sitzen, vor und hinter der Kamera, bringen einander beträchtliches Vertrauen entgegen. Andernfalls könnten sie nicht sagen, was sie sagen. Könnten nicht derart aufrichtig und ehrlich und reflektiert über ihr Selbstbild als Männer reden und darüber, wie Rollenerwartungen, eigene und gesellschaftliche, sich auf ihr Begehren und ihre Sexualität auswirken. Und damit weitergehend auf ihre Beziehungen zum anderen Geschlecht – sowie darüber, was das alles dann mit Dominanz und letztlich auch mit Gewalt zu tun hat.

Jonas Rothlaender wendet in „Das starke Geschlecht“ einen Kunstgriff an, der es seinen Gesprächspartnern erleichtert, sich zu öffnen: Er lässt sie zunächst anonyme Erfahrungsberichte anderer Männer lesen, dann fragt er sie nach ihrer Einschätzung; von dort aus ist es nicht weit zum Selbstbekenntnis. Und so erfahren wir viel und außerordentlich Aufschlussreiches über das, was einen Mann im Verhältnis zur Frau so alles umtreibt und wie archaisch festgefügt die Projektionen sind, die ihn eng umstellen und immer wieder an der Entfaltung seiner Menschlichkeit hindern.

Da darf man/frau dann nicht die Hoffnung und den Mut verlieren in Bezug auf die erträumte Gleichberechtigung; zumal jene, die sich hier aus der Deckung wagen und tief in sich blicken lassen, beredtes Zeugnis ablegen von der Bewegung, die in die Sache immerhin schon gekommen ist. Als Beitrag zur Verständigung verdient „Das starke Geschlecht“ höchsten Respekt. Alexandra Seitz

D 2021; 102 Min.; R: Jonas Rothlaender; Kinostart: 26.5.


Mia and Me – Das Geheimnis von Centopia

„Mia and Me – Das Geheimnis von Centopia“ von Adam Gunn & Matthias Temmermanns. Foto: Constantin

ANIMATION Die Zielgruppe dieses Films ist zweifellos äußerst eingeschränkt. Denn wer außer Mädchen im Alter von fünf bis neun Jahren (und ein paar Filmjournalist:innen) schaut sich schon freiwillig einen Animationsfilm an, in dem fliegende Quasi-Barbiepuppen und ihre pinken Einhörner eine Fantasy-Elfen-Welt vor einer Kröte retten müssen?

Dazu müssen die potenziellen Retter drei magische Kristalle finden und bewahren – doch die Kröte ist schneller und versenkt die glitzernden Klunker im Meer des Grauens. Oder war es der See des Schreckens? Der Weiher des Entsetzens? Der Tümpel der Beklemmung? Egal, denn Mia (Margot Nuccetelli), die junge Frau, die sich aus der Welt der Menschen in die animierte Fantasy-Welt begeben hat (es gibt auch ein paar Realfilm-Szenen, aber keine Vermischung mit der Animation), kann glücklicherweise tauchen. Und sie hat offenbar einen Grundkurs in Psychologie absolviert und weiß deshalb: Auch böse Kröten wollen eigentlich nur geliebt werden. Da ist das Happyend in jedem Fall garantiert. Wäre das alles nicht tendenziell immer so pink, hätte man einen prima Psychedelic-Film daraus machen können.

„Mia and Me – Das Geheimnis von Centopia“ ist der Spielfilm-Ableger einer beliebten Serie, die seit 2012 im deutschen TV läuft, und stellt damit in erster Linie einen weiteren Artikel in einer langen Reihe von Merchandising-Produkten dar. Aber: Mit der Story dieses Films hat man sich schon wirklich Mühe gegeben. Sie mag keinen Preis für Originalität gewinnen, ist aber handwerklich sehr solide erzählt. Keine Schlamperei also – und an die fliegenden Quasi-Barbies mit ihrer speziellen Nicht-Anatomie gewöhnt man sich auch irgendwann.  Lars Penning

D/AUS/B/IND 2022; 88 Min; R: Adam Gunn, Matthias Temmermans; D: Margot Nuccetelli, Elisa Boyd; KInostart: 26.5.


Die Bilderkriegerin – Anja Niedringhaus

„Die Bilderkriegerin“ von Roman Kuhn. Foto: Salzgeber

BIOGRAFIE Anja Niedringhaus wurde 1965 in Höxter, Nordrhein-Westfalen, geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Fotojournalistin und dokumentierte mit ihrer Arbeit Krisen, Kämpfe und Kriege in Jugoslawien, Palästina, Kuwait, Libyen, Irak und Afghanistan. 2005 wurde sie mit dem Pulitzer-Preis für Aktuelle Fotoberichterstattung ausgezeichnet. 2014 wurde sie in Banda Khel, in der afghanischen Provinz Chost, Opfer eines Anschlags.

„Die Bilderkriegerin“ von Roman Kuhn ist der Versuch, Leben und Werk dieser mutigen und engagierten Journalistin zu würdigen, doch der Film erweist der Titelheldin einen Bärendienst. Sowohl hinsichtlich seiner konventionellen, visuellen Ästhetik als auch in Sachen analytischem Niveau und Reflexionsbereitschaft ist „Die Bilderkriegerin“ ein vollkommen durchschnittlicher Fernsehfilm. Warum man sich einen solchen im Kino anschauen soll, erschließt sich nicht.

Wer’s dennoch macht, gerät gleich mitten hinein in die Klischeekiste, in der die harten, coolen Hunde der Kriegsberichterstattung, Zigarre in der einen, Whiskyflasche in der anderen Hand, an der Tatsache verzweifeln, dass der Mensch des Menschen Wolf ist. Schauspielerei und Dialogführung muten hier hilflos und hölzern an und verleihen den Re-enactment-Sequenzen, ohne die heutzutage beklagenswerterweise keine TV-Doku mehr auskommt, ihr typisch laienhaftes Flair. Die Spielszenen wechseln mit Montagen aus Fotografien, die von Niedringhaus‘ hervorragendem Auge und der hohen Qualität ihres Werks zeugen; mehr oder minder unvermittelt platzen dann noch Kolleginnen und Wegbegleiter dazwischen, die Erinnerungen und Einschätzungen zum Besten geben. Alexandra Seitz

D 2022; 91 Min.; R: Roman Kuhn; D: Antje Traue, Jonathan Failla, Dulcie Smart; Kinostart: 26.5.


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