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Filmstarts der Woche: Von „Ticket ins Paradies“ bis Bowie-Doku „Moonage Daydream“

Eine dichte Startwoche ist das: Unter den vielen neuen Filmen ragt natürlich die Wohlfühlkomödie „Ticket ins Paradies“ heraus. George Clooney und Julia Roberts als romantisches Paar, das musste einmal so kommen. Daneben wollen wir den deutschen Film „Alle reden übers Wetter“ von Annika Pinske hervorheben. Und die große David-Bowie-Doku „Moonage Daydream“. Diese drei und weitere Filmstarts der Woche im tipBerlin-Überblick.


104 Minuten gute Laune nach Programm: „Ticket ins Paradies“

Julia Roberts und George Clooney in „Ticket ins Paradies“ von Ol Parker. Foto: Universal

KOMÖDIE Die Eltern wissen es immer besser als ihre Kinder. Selbst wenn das Kind schon erwachsen ist und gerade das Jura-Studium erfolgreich abgeschlossen hat. Ihre Tochter sehen sie bereits als erfolgreiche Anwältin, da erreicht sie eine Nachricht aus Bali: Lily hat sich unsterblich verliebt in einen einheimischen Algenfarmer, den sie in Kürze heiraten wird. Das bringt David (George Clooney) und Georgia (Julia Roberts), seit langem geschieden und sich bei unvermeidlichen Zusammentreffen stets beharkend, wieder zusammen: um mit vereinten Kräften ihre Tochter davon abzuhalten, jenen Fehler zu wiederholen, den sie vor 25 Jahren begingen. Kleine Sabotageakte (die Entwendung der Trauringe) rächen sich in Form von Naturkatastrophen. Das glänzt nicht durch Originalität, sondern stammt aus dem Handbuch abgestandener Komik.

Ist George Clooney in Geldnöten? Diese Frage könnte man sich stellen angesichts dieses Soufflés von einem Film, der so gar nicht dem engagierten Hollywoodstar entspricht. Oder hatte er angesichts all der Unbill der gegenwärtigen Welt einfach mal Lust auf 104 Minuten „Gute-Laune-Film“ (Verleihwerbung)?

Die britische Produktionsfirma Working Title, mit romantischen Komödien wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ und „Tatsächlich… Liebe“ bekannt geworden, hat auch hier wieder einen Hang zu Eindimensionalität und Überdeutlichkeit – alles ist forciert, als traue man dem Zuschauer rein gar nichts zu. Im klassischen Hollywoodkino war die Comedy of Remarriage ein besonders schönes Beispiel innerhalb des Genres Screwball-Komödie; Howard Hawks‘ „Sein Mädchen für besondere Fälle“ und Leo McCareys „Die schreckliche Wahrheit“ bildeten da nur die Spitze des Eisbergs. In beiden Filmen verkörperte Cary Grant die männliche Hauptrolle. George Clooney ist nicht zu Unrecht mit ihm verglichen worden, aber hier ist wenig von seinem Charisma zu spüren. Einzig nach einem Kuss der beiden Ex-Eheleute gibt es im nächsten Augenblick einen vollkommen gelöst wirkenden Moment, in dem sich beide wort- und gestenreich entschuldigen – zu wenig für 104 Minuten. Frank Arnold

USA/GB 2022; 104 Min., R: Ol Parker; D: Julia Roberts, George Clooney, Kaitlin Dever, Maxime Bouttier, Billie Lourd; Kinostart: 15.9.


Alle reden übers Wetter

„Alle reden übers Wetter“ von Annika Pinske. Foto: Grandfilm

FILMKUNST Clara ist eine moderne Frau. Sie unterrichtet Philosophie, den akademischen Betrieb erlebt sie mit einer Mischung aus Befremden und Engagement. Die Tochter lebt beim Vater, kommt aber mit, wenn Clara aufs Land fährt zu ihrer Mutter. Der Film „Alle reden übers Wetter“ von Annika Pinske besteht denn auch im wesentlichen aus zwei Teilen. Der erste spielt in der Stadt, Clara ist in ihrem Alltag zu sehen, sie trifft sich mit einem Geliebten in einem Hotel, sie diskutiert in einer Lehrveranstaltung über Utilitarismus und „Glücksbilanzen“, sie nimmt an einer Abschiedsfeier für einen Kollegen teil. Dann fährt sie raus, nach Vorpommern, in eine gänzlich andere Welt. Diese Konfrontation von unterschiedlichen Lebensentwürfen ist für sich schon spannend.

Annika Pinske aber zeigt sich dabei als sensible Erzählerin, sie spielt nichts gegeneinander aus, sondern macht die urbane Gegenwart von Clara durchlässig auf die Erfahrungen von schließlich drei Frauengenerationen. Und sie sammelt beiläufig ein Stimmungsbild von Menschen, die vermutlich Schwierigkeiten hätten, den Diskursen von Clara in ihrem Beruf zu folgen, mit denen sie aber nichtsdestoweniger eine gemeinsame Sprache suchen muss, wenn sie in der Welt ihrer Mutter nicht radikal als Außenseiterin auftreten will. „Alle reden übers Wetter“ weiß mehr über die deutsche Wirklichkeit als viele gefeierte oder gutverkaufte Provinzschilderungen. Bert Rebhandl

D 2022; 89 Min.; R: Annika Pinske; D: Anne Schäfer, Anne-Kathrin Gummich, Judith Hofmann; Kinostart: 15.9.


Moonage Daydream

„Moonage Daydream“ von Brett Morgan. Foto: BMG

MUSIKDOKU Nach seinem Tod hinterließ David Bowie ein riesiges Archiv aus Bildern, Filmausschnitten, Kunst und Musik. Aus diesem Material formte der Dokumentarfilmregisseur Brett Morgen einen visuell und akustisch überbordenden Film, der dem Mysterium David Bowie so nahe kommt wie möglich, ohne es jedoch zu banalisieren. Eine mitreißende Hommage an einen großen Künstler, der wie nur wenige andere die (Pop-) Kultur des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Michael Meyns

USA/D 2022; 135 Min., R: Brett Morgen; Kinostart: 15.9.


Alice Schwarzer

„Alice Schwarzer“ von Sabine Derflinger. Foto: Derflinger Film

PORTRÄT Eine Meinung dürfte jeder über Alice Schwarzer haben und bestimmt auch jede. Die Bedeutung, die Alice Schwarzer für den Feminismus hat, ist selbst bei ihren einstigen und aktuellen Gegner:innen unbestritten, die Rolle, die die inzwischen fast 80-jährige Journalistin in der Gegenwart spielt, erscheint dagegen zwiespältig.

Nun hat die österreichische Regisseurin Sabine Derflinger einen Dokumentarfilm über Alice Schwarzer gedreht, der wie eine autorisierte Biographie wirkt. Weitgehend linear arbeitet sich Derflinger durch die Vita, beschreibt, wie die 1942 in Wuppertal geborene Schwarzer Anfang der 60er-Jahre nach Paris ging, wo sie später Jean-Paul Sartre und Simone de Beauvoir kennenlernen sollte. Bekannt wurde sie dann Anfang der 70er-Jahre durch Auftritte im deutschen Fernsehen und ihren Kampf gegen das Abtreibungsverbot, der im legendären Stern-Titel „Wir haben abgetrieben“ gipfelte.

Mit der Gründung der „Emma“ 1977 fand Schwarzer das Sprachrohr, dem sie bis heute treu geblieben ist, inzwischen nicht mehr als Chefredakteurin, aber immer noch unverzichtbar. Oder unvermeidbar, wie ihre zahlreichen Kritiker:innen wohl sagen würden. Denn Schwarzer hält nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg, was immer ihre große Stärke war. Was auch Respekt abnötigt, gerade angesichts von unsäglichen Beschimpfungen, die ihr einst nicht etwa in der Anonymität der sozialen Medien entgegenschlugen, sondern in großen Lettern von den Titelseiten deutscher Tageszeitungen.

Wie gesagt: Alice Schwarzers Lebensleistung ist unbestritten, doch mit Kritik an ihrer eigenen Person tut sich Schwarzer schwer. Und da Sabine Derflingers Film ihrem Subjekt sehr nahe ist, leider auch der Film selbst. Manches wird zwar angesprochen – Schwarzers oft als einseitig wahrgenommene Haltung in der Kachelmann-Affäre, besonders aber die Tatsache, dass sie ihre Prozessberichterstattung ausgerechnet in der „Bild“ veröffentlichte – aber nicht vertieft. Berechtigte Kritik von jüngeren Feministinnen bleibt völlig außen vor, ebenso Schwarzers Steuerhinterziehung oder ihre zumindest fragwürdige Entscheidung, sich für eine Werbekampagne der „Bild“ einspannen (und vermutlich gut bezahlen) zu lassen.

So informativ Sabine Derflingers Dokumentation auch ist: Für eine hagiografische Darstellung wie diese ist Alice Schwarzer eine zu umstrittene und zu komplexe Persönlichkeit. Michael Meyns

A/ D 2022; 102 Min.; R: Sabine Derflinger; Kinostart: 15.9.


La Clave – Das Geheimnis der kubanischen Musik

„La Clave“ von Kurt Hartel. Foto: W-Film

MUSIKDOKU Die Clave ist nicht nur ein aus zwei handlichen Holzstäben bestehendes Musikinstrument aus Kuba, hierzulande auch als Klanghölzer bekannt, sondern zudem die Bezeichnung des Grundrhythmus der kubanischen Musik. Das macht die Clave, wortwörtlich als „Schlüssel“ ins Deutsche zu übersetzen, zum idealen Zugang zur Kultur und musikalischen Tradition des karibischen Inselstaats. Dokumentarregisseur Kurt Hartel verbindet in diesem, seinem ersten Film Interviews mit Musikwissenschaftler:innen und Musiker:innen mit ausgedehnten Konzert- und Probensequenzen, um seinem Publikum sowohl die Geschichte und Theorie der Clave zu vermitteln wie auch in ihre Klangwelt zu entführen. Dabei wirft er einen Blick auf verschiedene Musikstile – die traditionelle Rumba sowie die Ursprünge der weltbekannten Salsa-Musik im Tumbao – und mit diesen Stilen verwobene kulturelle und spirituelle Ausdrucksformen in Tanz und afrokubanischem Götterglauben.

Ein Schlüssel zur kubanischen Kultur: „La Clave“

Der Fokus liegt dabei stark auf der Hauptstadt Havanna und einer Auswahl von im Kontext der kubanischen Gesellschaft außerordentlich privilegierten Gesprächspartner:innen. Auch wenn „La Clave“ eine nachvollziehbar unpolitische Haltung einnimmt, um sich – die vielgestaltigen Probleme des kommunistischen Inselstaates außer Acht lassend – ausschließlich Kunst und Kultur zu widmen, gelingt der Blick auf das kubanische Leben durch diesen engen Fokus schließlich nur begrenzt. Und auch die Montagen der sonnigen Straßensituationen Havannas und saftig grünen Täler in Viñales vermitteln eher ein Bild Kubas aus dem Reisekatalog als authentische Einblicke in ein facettenreiches Land. Sophie Rieger

D 2021; 86 Min.; R: Kurt Hartel; Kinostart 15.9.


Dancing Pina

„Dancing Pina“ von Florian Heinzen-Ziob. Foto: Mindjazz

DOKU Zwei Projekte der Pina Bausch Foundation, wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten: Das Ballett der Dresdener Semperoper widmet sich „Iphigenie auf Tauris“, die École des Sables im Senegal führt professionelle wie auch Hobby-Tänzer:innen aus ganz Afrika in einer Wiederaufführung von „Frühlingsopfer“ zusammen. Gemeinsam ist beiden Projekten der Versuch, das Werk der Tanzlegende Pina Bausch gleichzeitig zu konservieren und lebendig zu halten, dem Original so treu wie möglich zu bleiben und die für die Schöpferin so bedeutende authentische Individualität der Beteiligten einzufangen.

„Dancing Pina“ begleitet zwei Probenprozesse mit einer vornehmlich beobachtenden und nur selten inszenierenden Kamera. Interviews mit den Unterrichtenden – ehemalige Mitglieder des Wuppertaler Tanztheaters unter Pina Bausch – ebenso wie den Tänzer:innen der aktuellen Projekte ergänzen die Probensequenzen, geben Einblicke in die individuellen Herausforderungen der Beteiligten, aber auch ihre persönliche Beziehung zu Bauschs Werk. Und es wird klar: Tanzen ist mehr als die reine Abfolge von Bewegungen, so akribisch und minutiös diese auch hier auf die Bühne gebracht werden. Tanz braucht die Seele der Tanzenden. Beeindruckend ist dann auch in erster Linie das Werk Pina Bauschs, dem der Dokumentarfilm von Florian Heinzen-Ziob nur wenig hinzuzufügen weiß. Die Auswahl der dargestellten Projekte wirkt überdies beliebig, die Verbindung muss das Publikum selbst konstruieren und droht dabei durch die unkommentierte, kolonial anmutende Gegenüberstellung einer mitteleuropäischen Prestige-Inszenierung und des afrikanischen „Begegnungsprojekts“ auf einen Irrweg zu gelangen. Sophie Rieger

D 2022; 111 Min.; R: Florian Heinzen-Ziob; Kinostart: 15.9.


Die Küchenbrigade

„Die Küchenbrigade“ von Louis-Julien Petit. Foto: Piffl

KOMÖDIE Mit fast 40 Jahren noch einmal neu anfangen? Kein Problem für Cathy Marie, die schon lange von ihrem eigenen Restaurant träumt und diesmal wirklich hinschmeißt, nachdem ihre Chefin, eine so prominente wie überhebliche Fernsehköchin, ihr wieder einmal dumm gekommen ist. Aber eine neue Anstellung, um das notwendige Geld für etwas Eigenes zusammenzubekommen, ist nicht so leicht zu finden. Der Job in einem Heim für unbegleitete minderjährige Geflüchtete ist so ziemlich das Letzte, was sie will. Aber angesichts großer Raviolidosen packt sie doch der Ehrgeiz, mit wenig Geld ein leckeres und gesundes Essen zuzubereiten. Und schließlich schafft sie es auch, immer mehr der jungen Männer dafür zu begeistern, aus denen sie ihre Küchenbrigade formt.

Wie in seinem vorangegangenen Film „Der Glanz der Unsichtbaren“ über obdachlose Frauen, die einen Platz in einem Heim gefunden haben, arbeitet Regisseur Louis-Julien Petit auch hier mit ehemaligen Betroffenen, setzt diesmal allerdings mehr auf Komik und reduziert die bürokratischen Hemmnisse, die der Arbeit engagierter Menschen entgegenstehen. Das nimmt dem Film etwas von seiner Kraft, ebenso wie die Tatsache, dass von den Jugendlichen nur wenige ein (eher bescheidenes) Profil gewinnen. Und der raffinierte Coup am Ende, als Cathy, der Heimleiter Lorenzo und die Jungs eine Fernsehshow für ihr Anliegen nutzen und für Ausbildungsplätze werben, läuft etwas zu glatt ab. Trotzdem sehenswert. Frank Arnold

F 2022; 97 Min.; R: Louis-Julien Petit; D: Audrey Lamy, Francois Cluzet, Chantal Neuwirth, Fatou Kaba, Yannick Kalombo; Kinostart: 15.9.


Into the Ice

„Into the Ice“ von Lars Henrik Ostenfeld. Foto: Rise and Shine

DOKU Greta, das Känguru und jetzt auch noch Campino – sie alle warnen vor dem Klimawandel und haben damit natürlich ganz recht. Der Mehrheit der Bevölkerung in unseren Breitengraden dürfte das Thema allerdings mittlerweile durchaus ins Bewusstsein gedrungen sein – auch wenn es den Leuten schwer fallen mag, eingefahrene Gewohnheiten zu ändern. Für die ständigen Warn- und Mahn-Filme bedeutet das allerdings ein Problem: Im Grunde rennen sie offene Türen ein, und man muss sich dann schon einmal fragen, welchem Teil der Thematik man inhaltlich und filmisch noch neue Aspekte abgewinnen kann.

Der dänische Kameramann und Regisseur Lars Henrik Ostenfeld – Campino, sonst vor allem als Sänger der Toten Hosen aktiv, dient als seine deutsche Kommentarstimme – begleitet die Klimaforscher:innen Alun Hubbard, Dorthe Dahl-Jensen und Jason Box zu den dahinschmelzenden Gletschern Grönlands, die in denkommenden Jahren wohl für einen weltweiten Anstieg des Meeresspiegels sorgen werden. Die Frage ist nur um wieviel. Die Idee hinter Expedition und Film: statt Modelle am Computer zu berechnen, lieber Feldforschung in atemberaubender Landschaft vor Ort betreiben. Ist theoretisch auch gleich viel filmischer.

Trotzdem kommt „Into the Ice“ relativ schwer in die Gänge. Auf Eisbohrkerne aus der letzten Eiszeit zu blicken, erweist sich zunächst als ebenso wenig aufregend, wie der Frage nachzugehen, ob in dieser Gegend mehr Schnee oder mehr Regen fällt. Für die Berechnung von Klimamodellen mag das überaus wichtig sein – es auch filmisch spannend aufzubereiten, gelingt Ostenfeld nicht so richtig.

Wirklich spektakulär sind erst die Erkundungen von sogenannten Gletschermühlen durch den Briten Alun Hubbard, die schließlich einen größeren Teil des Films ausmachen. Der Forscher steigt zum Boden der bis zu 180 Meter tiefen, durch Schmelzwasser entstandenen Eislöcher im Gletscher, um festzustellen, ob sich unter der gefrorenen Bodenfläche weiteres flüssiges Wasser befindet. Denn das würde die Fließgeschwindigkeit der Gletscher zusätzlich erhöhen und wäre ein Indikator dafür, dass das Eis noch schneller schmilzt als bisher angenommen.

Die Abstiege in diese wunderbar aussehenden, aber höchst instabilen und sehr gefährlichen Eiskathedralen liefern fantastische Bilder und für die Forscher:innen auch neue Erkenntnisse – die man dann aber wohl irgendwann wieder in Modellen berechnen muss. Für das Kinopublikum bleibt am Ende vor allem das Fazit: Alles ist ganz schlimm. Das wussten wir allerdings schon vorher. Lars Penning

DK/D 2022; 85 Min.; R: Lars Henrik Ostenfeld; Kinostart: 15.9.


Jeepers Creepers: Reborn

„Jeepers Creepers: Reborn“ von Timo Vuorensola. Foto: 24 Bilder

HORROR Es beginnt als klassisches Spannungskino: ein altes Ehepaar im Auto auf der Landstraße, ein rostiger Transporter, der dicht auffährt und sie schließlich von der Straße abdrängt, dessen Fahrer, der später etwas entlädt, was eine Leiche sein könnte. Das Kennzeichen seines Wagens, „BEATGNU“, entziffert der mit den „Jeepers Creepers“-Filmen Vertraute sofort als „Be eating you“, weiß er doch, dass sich hinter der Maske aus Menschenhaut der Creeper verbirgt. Der kehrt alle 23 Jahre auf die Erde zurück, wo er 23 Tage lang wütet, Menschen die Haut abzieht und seine Opfer verspeist.

Ein originelles Monster, beklemmende Atmosphäre und klassische Spannungsmuster, das war auch das Erfolgsrezept des Originalfilms „Jeepers Creepers“ (2001). Der mittlerweile vierte Film der Reihe, anders als die drei Vorgänger nicht mehr von seinem Erfinder Victor Salva erdacht und inszeniert, behält das vertraute Muster bei. Diesmal sind ein junger Mann und eine junge Frau in ihrem Auto unterwegs zu einem Horror-Festival, das bringt eine gewisse Ebene der Selbstreflexivität ins Spiel. Ist der Creeper nur eine urbane Legende oder aber real?

Groß ausgebaut wird diese Metaebene allerdings nicht, der finnische Regisseur Timo Vuorensola (die „Iron Sky“-Filme) inszeniert hier relativ gradlinig. Im ausgedehnten Finale erscheint der Creeper in seiner ganzen Pracht mit ausgebreiteten Flügeln. Das ist allerdings weit weniger spannend – trotz des Scope-Formats bleiben die Bilder hier flach, erinnern eher an Videoaufnahmen – als die Eingangsszene mit dem alten Paar, bei der die Ehefrau von Horrorikone Dee Wallace („The Howling“, „Cujo“) verkörpert wird. Frank Arnold

USA 2021; 88 Min.; R: Timo Vuorensola; D: Sydney Craven, Imran Adams, Jarreau Benjamin; Kinostart: 15.9.


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