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Helge Schneider blickt in „The Klimperclown“ auf sein Leben und Schaffen

Helge Schneider ist schwer in eine Schublade zu stecken: Er ist Musiker, Künstler, Entertainer, Filmemacher und natürlich Komiker. In „The Klimperclown“ lässt der „Katzeklo“-Star sein Leben und künstlerisches Schaffen Revue passieren – natürlich auf seine ganz eigene Art. tipBerlin-Filmkritiker Frank Arnold hat sich den neuen Film von, mit und über Helge Schneider angeschaut und findet: Bei „The Klimperclown“ kommen nicht nur eingefleischte Helge Schneider-Fans auf ihre Kosten.

Spielt natürlich die Hauptrolle in seinem biografischen Film „The Klimperclown“: Komiker Helge Schneider. Foto: Filmwelt Verleihagentur GmbH

Helge Schneider wollte als Kind im Zirkus arbeiten

Gleich sieben Mal kann man auf dem Plakat den Namen von Helge Schneider lesen – hat sich das Multitalent zu seinem 70. Geburtstag (am 30. August) also eine ausgedehnte Personality-Show gegönnt? 70 Jahre sind allerdings auch eine lange Zeit, tief taucht der Film ein in die Vergangenheit des Entertainers, beginnend mit seiner Kindheit im Ruhrgebiet, der Tatsache, dass er „ungern zur Schule gegangen“ sei, und seinem damals größten Wunsch, als Erwachsener als Clown im Zirkus aufzutreten. Dass davon bis heute etwas geblieben ist, wird aus dem Titel des Films ersichtlich. Helge Schneiders musikalisches Talent wird in dieser Dokumentation, für die er als Regisseur zusammen mit seinem langjährigen Gitarristen Sandro Giampetro verantwortlich zeichnet, ausführlich gewürdigt, in zahlreichen neueren Bühnenauftritten mit seiner Band, manchmal auch nur als Duo mit seinem Schlagzeuger, manchmal auch als Solist am Klavier.

Dazwischen gibt es immer wieder kurze Schnipsel von Archivaufnahmen (überwiegend von bescheidener Bild- und Tonqualität) aus seinen frühen Jahren: Helge Schneider am Schlagzeug, bei einer Lesung oder mit der Aufforderung an sein Publikum, in seinen größten Hit „Katzeklo“ miteinzustimmen. Schneider besucht die Orte seiner Vergangenheit, ein Überraschungsbesuch bei seinen Eltern wird mit einer Videokamera in Bild und Ton festgehalten, in der Düsseldorfer Altstadt erinnert er sich an die Auftritte berühmter Jazzmusiker im „Downtown“ und an eine (nicht mehr existierende) Eduscho-Filiale, wo er – statt zur Schule zu gehen – „praktisch seine ganze Jugend verbracht“ hätte und wo „36 Tassen Kaffee am Tag keine Seltenheit“ gewesen wären.

„The Klimperclown“ klimpert gerne auf dem Klavier. Foto: Filmwelt Verleihagentur GmbH

Wie die zahlreichen Jazzstücke, die zu hören sind, hat auch der Film etwas angenehm Meditatives, nicht nur in der Szene, in der Schneider sein Wohnmobil mit einem Handstaubsauger reinigt: Ein Mensch blickt zurück auf Vergangenes, spricht von und mit langjährigen Begleitern, verrät etwas von seinen Eigenheiten („Die Kleidung ist für mich sehr wichtig“) und Obsessionen („Dieses Lied verfolgt mich schon ein Leben lang“, gemeint ist Frank Sinatras „Saturday Night is the Loneliest Night of the Week“). Kleine, dokumentarisch wirkende Spielszenen zitieren die Komik von Helge Schneider, so wenn er Angelo Kelly als Tour Roadie auftreten lässt. 

Schade nur, dass die Begegnungen mit Freunden so knapp ausgefallen sind, mit dem Musiker Peter Kraus (mit dem er eine Schallplatte aufgenommen hat und zudem das Interesse an Autos teilt), mit dem einstigen Verlagsleiter von Kiepenheuer & Witsch, Helge Malchow, der ihn als Autor gewann, mit dem früheren Filmproduzenten Hanno Huth, der 1993 mit „Texas“ die Filmkarriere von Helge Schneider startete, den er als seinen Jugendfreund bezeichnet und mit dem er jetzt bei einem Spaziergang zu sehen ist. Einzig der Filmemacher Alexander Kluge, der Schneider mehrfach in seinen Gesprächssendungen zu Gast hatte, kommt dabei auch zu Wort. Mehr gesehen hätte man gerne auch von Schneiders „erstem Spielfilm in eigener Regie“: Der kurze Ausschnitt aus „Le Privatier“ macht neugierig auf mehr, auch hätte man gerne gewusst, warum er nie gezeigt und dann von ihm zurückgezogen wurde. Trotzdem kommen nicht nur die eingefleischten Schneider-Fans bei diesem Film auf ihre Kosten.

  • The Klimperclown Deutschland 2024; 82 Min; R: Helge Schneider, Sandro Giampetro; D: Helge Schneider, Alexander Kluge, Helge Malchow; Kinostart: 7.8.

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