Im zweiten Teil der lesbischen B-Movie-Trilogie von Regisseur Ethan Coen untersucht die Detektivin Honey O’Donahue, gespielt von Margaret Qualley, den Tod einer Klientin. Im kalifornischen Bakersfield trifft sie dabei auf eine Polizistin (Aubrey Plaza) und einen Priester (Chris Evans). Weit entfernt von einem Meisterwerk aus den Hochzeiten der Coen Brothers, findet tipBerlin-Filmkritiker Bert Rebhandl.

Ethan Coen, drei Jahre jünger als sein Bruder Joel, war lange vor allem ein Teil eines berühmten Duos: Die Coen Brothers sind im Weltkino längst ihre eigene Marke, sie sind von Hollywood mit seinen Action-Spektakeln weit entfernt, aber auch vom manchmal verkopften europäischen Kunstkino. Denn sie machen vergnügliche, intelligente, manchmal auch knallharte Filme, in denen die Filmgeschichte oft ein prägender Aspekt ist. Denn bei den Coen Brothers werden klassischen Traditionen fortgeschrieben und ironisch neu gedeutet. So entstanden Meisterwerke wie „Barton Fink“, „A Serious Man“ oder „Fargo“. 2016 waren sie dem herausragend komischen „Hail Caesar“ auf der Berlinale zu Gast.
In „Honey Don’t“ verpasst Margaret Qualley dem Whiskey trinkenden Detektiv-Stereotyp ein Update
Seit einiger Zeit aber gehen die Brüder auch ihre eigenen Wege. Und Ethan lässt sich dabei stark von der Zusammenarbeit mit seiner Frau Tricia Cooke leiten. Gemeinsam arbeiten sie schon seit einer Weile an einer „lesbian B-movie trilogy“, die im Vorjahr mit „Drive-Away Dolls“ begann, und nun mit „Honey Don’t“ eine Fortsetzung findet. B-Movies könnte man ein wenig salopp mit „Schundfilme“ übersetzen. Quentin Tarantino hat aus seiner Verehrung für derlei Trash nie ein Hehl gemacht, und mit Filme wie „Death Proof“ immer wieder an B-Filme angeschlossen. Ethan Coen und Tricia Cooke sind offensichtlich auch Fans dieser billigen, formelhaften Geschichten, bei denen die Moralpolizei früher vielleicht nicht immer ganz genau hingeschaut hat.
Im Mittelpunkt von „Honey Don’t“, dem zweiten Teil des B-Film-Trilogie mit lesbischem Einschlag, steht eine Privatdetektivin namens Honey O’Donahue, die im kalifornischen Bakersfield tätig ist. Wer Filme der Schwarzen Serie kennt (Film Noir), wird sofort an Figuren denken, wie sie früher Humphrey Bogart gespielt hat – taffe Kerle, die mit viel Whiskey ihren Alltag erträglich machten und Femmes Fatales in die Schranken wiesen. Margaret Qualley, die schon in „Drive-Away Dolls“ dabei war, spielt Honey mit viel Lust an der subversiven Sache.
Zu den Eigenschaften von Films Noirs gehörte immer auch, dass sie einen unübersichtlichen Plot haben. Das kann man über „Honey Don’t“ wohl auch sagen. Ein prächtiges Ensemble verteilt sich auf eine konfuse Geschichte, aus der Aubrey Plaza als Polizistin und Chris Evans als windiger Prediger herausragen. Evans, der Captain America im Marvel Universum, und derzeit auch in „Was ist Liebe wert – Materialists“ im Kino zu sehen, ist gerade in einer spannenden Karrierephase. Er scheint Spaß daran haben, sein Image als weißer Paradeamerikaner aufs Korn zu nehmen.
„Honey Don’t“ ist weit entfernt von einem Meisterwerk aus den Hochzeiten der Coen Brothers. Das wäre aber wohl auch von vornherein nicht der Anspruch gewesen. Es geht hier eher darum, der Liebe zum Kino eine trashige Form zu geben, und mit einer Schar befreundeter Leute ein altes Genre auf queer zu drehen. Dass daran vorwiegend erklärte Heteros beteiligt sind, muss nicht prinzipiell gegen die Sache sprechen. Es reicht ja schon, wenn „Honey Don’t“ auf unterhaltsame Weise die geläufigen Codes durcheinander wirbelt. Oder ist das schon Identitätsaneignung? Darüber kann man gern nach dem Film diskutieren, am besten bei einem Drink, wie ihn Humphrey Bogart und Lauren Bacall auch genommen hätten. Oder einem billigeren Gesöff, einem B-Drink vielleicht.
- Honey Don’t USA 2025, 129 Min., R: Ethan Coen, D: Margaret Qualley, Aubrey Plaza, Chris Evans
Wenn ihr von Margaret Qualley begeistert seid, solltet ihr auch unbedingt „Blue Moon“ anschauen: Zur Kritik des Films von Richard Linklater geht es hier. In Deutschland mit großer Spannung erwartet: Die Verfilmung von Caroline Wahls „22 Bahnen“ – wir haben mit den Darstellern Luna Wedler und Jannis Niewöhner gesprochen. Deutlich kontroverser diskutiert: Michael Bully Herbigs „Das Kanu des Manitu“. Wie schlimm der Film wirklich geworden ist, erfahrt ihr hier. Auf seine Filmkunst können sich vermutlich mehr einigen: Wes Anderson. Simon Weisse baut in Neukölln die Filmwelten von West Anderson. Der deutsche Oscar-Kandidat für 2026 lautet „In die Sonne schauen“. So gut ist der Film von Mascha Schilinski. Mehr Filmkritiken findet ihr in unser Kino-Rubrik.

