• Kino & Stream
  • Filme
  • „Horror Noire“ von Xavier Burgin: Von „Blacula“ zu „Black Lives Matter“

Filmkritik

„Horror Noire“ von Xavier Burgin: Von „Blacula“ zu „Black Lives Matter“

Filmhistorische Doku Horror ist ein Genre mit sehr genau definierten Regeln. Und während des Großteils der Filmgeschichte gehörten dazu auch rassistische Klischees, die Schwarzen Menschen mehr oder weniger von vornherein die Rollen zuwiesen. Wenn sie überhaupt vorkamen, und dabei nicht nur Dienstboten waren („the faithful servant“ lebt auch ohne ausdrückliche Versklavung treuherzig wie ein Haustier für die Herrschaft). Wie sich die Horrorfilme aber dann doch im Lauf der Zeit dieser Klischees bewusst wurden, und wie sie allmählich aufgebrochen wurden, davon erzählt der Dokumentarfilm „Horror Noire: A History of Horror“ von Xavier Burgin. Als Grundlage dient ihm eine wissenschaftliche Arbeit von Robin R. Means Coleman, die derzeit in Texas lehrt: „Horror Noire. Blacks in American Horror Films from the 1890s to Present aus dem Jahr 2011“.

"Horror Noire" von Xavier Burgin
„Horror Noire“ von Xavier Burgin. Foto: Drop-Out Cinema

„Horror hasn’t always loved us“, Horrorfilme waren uns nicht immer gewogen: mit dieser Untertreibung beginnt ein rasanter Überblick über 130 Jahre Filmgeschichte. Die Ausschnitte werden von wichtigen Vertreter*innen des afroamerikanischen Kinos kommentiert: William Crain, der Regisseur des wegweisenden „Blacula“ (1972), Tony Todd, Hauptdarsteller in „Candyman“, oder Ernest Dickerson („Bones“, 2001). Dazu kommen Intellektuelle, Akademiker*innen und Fans, die mit zahlreichen pointierten Formulierungen und Beobachtungen eine analytische Ebene hinzufügen.

„Horror Noire“ von Xavier Burgin verbreitet Optimismus

Man kann sich eine ganz schön lange Liste von Filmen notieren, denn es werden nicht nur bekannte Titel genannt. Dass Kasi Lemmons, die Regisseurin von „Harriet“, schon 1997 einen Film mit dem Titel „Eve’s Bayou“ drehte, und dabei tief in die Mythologien des amerikanischen Südens eindrang, könnte man gewusst haben – oder auch nicht. Jetzt kommt man darum kaum mehr herum.

Dass Jada Pinkett das erste Schwarze „final girl“ war, also die einzige Überlebende in einem Horrorfilm und damit eine stark codierte Figur, gehört ebenso in den Zusammenhang von „Horror Noire“ wie Neubewertungen von jüngeren Filmen wie „The Girl With all the Gifts“. Jordan Peele, der Regisseur von „Get Out“, gibt sich auch die Ehre und verbreitet Optimismus. Tatsächlich hat sich im amerikanischen Kino inzwischen eine Menge geändert, es sollen sogar Drehbücher inzwischen auf „Schwarz“ umgeschrieben werden, heißt es einmal beiläufig.

Das ändert allerdings nichts an dem wichtigsten Satz in „Horror Noire“: „black history is black horror“, die ganze Schwarze Geschichte in Amerika war entsetzlich. Zumindest in bestimmten Zusammenhängen hat aber inzwischen eine Vergangenheitsbewältigung  begonnen, zu der auch dieser sehenswerte Film zu zählen ist.

USA 2019; 83 Min.; R : Xavier Burgin; Kinostart: 10. 10. 2020 im Rollberg Kino


Außerdem diese Woche neu im Kino: die Filmstarts vom 8. Oktober; weiterhin im Kino: die Filmstarts vom 1. Oktober; die Filmstarts vom 24. September und die Filmstarts vom 17. September. Ein „Dark“-Star spielt Fassbinder: Wir sprachen mit Oliver Masucci über Netflix, Hitler und die Regielegende.

Mehr über Cookies erfahren