Zu Beginn waren die Hofer Filmtage ein winzig kleines Kurzfilmfestival, initiierte von dem filmverrückten Hofer Heinz Badewitz. Doch schnell mauserte es sich zur Plattform auch für bekannte deutsche Regisseure. An jedem letzten Oktoberwochenende war Hof „The Place to Be“. Nach dem Tod von Heinz Badewitz 2017 übernahm Thorsten Schaumann die Leitung der Filmtage. In den folgenden Jahren konzentrierte sich das Festival – auch wegen starker Konkurrenz wie die Festivals in München und Hamburg oder das Fünf-Seen-Festival in Oberbayern – wieder mehr auf den Filmnachwuchs, bis heute.

So bot die 59. Ausgabe der Hofer Filmtage erneut die Möglichkeit, den jüngeren Filmemachern auf die künstlerischen Finger zu schauen. So etwa Matthias Ditscherlein. Der junge Regisseur aus dem benachbarten Vogtland erhielt die Ehre, mit seinem Dokumentarfilm „Über Unterbiberger“ das Festival zu eröffnen. Eine gute Wahl, ist dessen Porträt der niederbayrischen Musikerfamilie Unterbiberger Hofmusik nicht nur ein kurzweiliges Vergnügen, sondern zeigt auch die verbindende Kraft der Musik, verbinden die bayerischen Musikanten doch ihren Sound mit Klängen aus Nahost und Afrika – und sie reisen auch dorthin. Zudem ließen sie es ich nicht nehmen, in der Fußgängerzone in der Hofer Altstadt aufzuspielen.
„Denn dieses Leben lebst nur du“: Feinfühliges Porträt von trans Personen in der Provinz
Diese Ehre hätte auch Douglas Wolfsperger verdient, ist doch „Denn dieses Leben lebst nur du“ ein feinfühliges Porträt einiger trans Personen in der süddeutschen Provinz. Dabei begegnet der erfahrene Filmemacher ihnen immer auf Augenhöhe und lässt sie erzählen von alle den Widerständen, die es zu überwinden gab, um sich endlich im eigenen Körper wohlzufühlen. Und in ihren Erzählungen steckt so manches allgemeingültiges Bonmot.

Das gilt auch für die mutigen Seniorinnen, die in „Das Ungesagte“ von Patricia Hector und Lothar Herzog zumeist erstmals überhaupt über ihre Erfahrungen während der Nazizeit reden. Ganz normale Deutsche, die in den Sog des Nationalsozialismus hineingezogen wurde und vor der Kamera sehr unterschiedlich über die schlimme Zeit reflektieren. Das Regieduo reichert diese Berichte mit Archivaufnahmen an.
Wenn Genre, dann Science Fiction
Die jungen deutschen Filmemacherinnen konzentrieren sich in ihren Film bevorzugt in dramatischer Form auf das Hier und Jetzt. Genrefilme sind selten. Zwei Filme allerdings wagen den Blick in eine dystopische nahe Zukunft und sich sich vom Sujet her ähnlich. In „Cyberpunk Romance“ stellt Joscha Douma eine neue Technologie vor, bei der sich Technikfreaks mittels USB-ähnlicher Anschlüsse am Kopf direkt mit der digitalen Welt verknüpfen können. Was natürlich nach hinten los geht. In Silke C. Englers „Sunny“ tragen viele Menschen Chips unter der Haut, die quasi alle Smartphones ersetzt haben. Diese Technologie löst eine Art Apokalypse aus, in der ein junges Paar überleben will. Innovatives Kino.
Schwer dramatisch geht es in Felicitas Korns „Drei Leben lang“ zu. Da sich die Umsetzung des Drehbuchs ewig hinzog, machte Korn schon vor einigen Jahren einen lesenswerten Roman daraus. Doch nun ist sie doch noch auf die Leinwand gekommen, die Geschichte dreier männlicher Figuren, die in verschiedenen Zeiten um ihr Stück Glück kämpfen, prominent besetzt mit André Hennicke, Jonas Nay und Peter Lohmeyer.
„Plan F“: Ein Film bei den Hofer Filmtagen 2025 taucht tief in die Kreuzberger Szene ein
Und dann gab es noch diesen einen Spielfilm, der ganz tief in die Kreuzberger Szene eintaucht. In „Plan F“ reist die in die Jahre gekommene Punkfrau Franka (Bärbel Schwarz) in die ostdeutsche Provinz, um ihre lethargische Schwester Maja (Ursula Renneke) zurück nach Berlin zu lotsen. Das gelingt der immer eine Spur zu lauten Frau auch – es folgt eine denkwürdige Nacht. Regisseurin Ina Balon erzählt von Familienbanden und Lebensentwürfen, die mitunter aus der Zeit gefallen sind. Ein gutes Beispiel, wie man mit wenig Geld kraftvolles Kino kreieren kann – wie bei so vielen Filmen bei den 59. Hofer Filmtagen.
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Intensiv, anstrengend, aber unbedingt sehenswert: „Yes“ von Nadav Lapid. Highlight aus Brasilien: „The Secret Agent“. Ein Gespräch über Rassismuserfahrungen, die Migrationsdebatte und Koranverbrennungen: Wir haben uns mit „Hysteria“-Schauspielerin Devrim Lingnau Islamoğlu getroffen. Bissig, grausam, durchgeknallt: „Bugonia“ von Yorgos Lanthimos. Der Cannes-Gewinner der Berliner Regisseurin geht jetzt ins Oscar-Rennen: Wir haben „In die Sonne schauen gesehen“. Spektakulär besetzt: „Springsteen: Deliver Me From Nowhere“ mit Jeremy Allen White. Große schauspielerische Leistung: August Diehl glänzt in „Das Verschwinden des Josef Mengele“. Josh O’Connor auf der Flucht: Die Kritik zu „The Mastermind“ von Kelly Reichardt lest ihr hier. Was läuft sonst? Hier ist das aktuelle Kinoprogramm für Berlin. Der Letzte seiner Art in Berlin: Götz Valien malt Kinoplakate. Mehr aus der Filmwelt lest ihr in unserer Kino-Rubrik.


